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CBD & Anwendung

CBD Öl absetzen: Was wirklich passiert, wenn du aufhörst

Du willst dein CBD Öl weglassen und fragst dich, was danach passiert? Vielleicht sind deine Beschwerden besser geworden. Vielleicht willst du einfach wissen, ob dein Körper inzwischen daran hängt. Beides führt zur selben Frage: Kann ich CBD Öl absetzen, ohne dass mir das hinterher auf die Füße fällt? Zwischen einem echten Entzug und der Rückkehr deiner alten Beschwerden liegt ein Unterschied, der über die ganze Sache entscheidet.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ja, du kannst CBD Öl absetzen. In einer randomisierten Studie mit 30 Probanden traten nach abruptem Stopp keine Entzugssymptome auf.
  • Zurückkommen können deine ursprünglichen Beschwerden. Das ist kein Entzug, sondern der Wegfall der Wirkung.
  • Wer lange hoch dosiert hat, geht besser in Schritten runter als von heute auf morgen.
  • Nimmst du Medikamente, klär das Absetzen ärztlich ab: CBD beeinflusst deren Abbau in der Leber.
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Medizinisch geprüft

Dr. med. Wolfgang Furtlehner

Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde

Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.

Mehr über Dr. Furtlehner
Inhaltsverzeichnis
  1. Kann man CBD Öl einfach absetzen?
  2. Was im Körper passiert, wenn du CBD absetzt
  3. Direkt aufhören oder langsam reduzieren?
  4. CBD absetzen, wenn du Medikamente nimmst
  5. Häufige Fragen
  6. Fazit

Kann man CBD Öl einfach absetzen?

Ja, du kannst CBD Öl absetzen, ohne einen Entzug zu befürchten. Der Grund steckt in der Chemie. THC dockt direkt am CB1-Rezeptor an und aktiviert ihn, CBD tut genau das nicht. Diese direkte Aktivierung ist bei THC der Weg, über den sich eine Abhängigkeit aufbauen kann, und dieser Weg bleibt bei Cannabidiol geschlossen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat CBD 2018 in einem eigenen Prüfbericht untersucht und kam zu dem Schluss, dass beim Menschen keine Hinweise auf ein Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial vorliegen. Cannabidiol wurde deshalb nicht unter internationale Suchtmittelkontrolle gestellt. Die Sorge, dass CBD süchtig macht, lässt sich damit ziemlich klar beantworten.

Direkt getestet hat deine Frage ein Forschungsteam im Jahr 2020. 30 gesunde Probanden nahmen vier Wochen lang zweimal täglich 750 mg CBD, danach wurde die Einnahme bei einem Teil von ihnen abrupt gestoppt. Auf der Cannabis-Entzugsskala erreichten sie Werte zwischen 0 und 4 von 190 möglichen Punkten, und nach dem Stopp stiegen diese Werte nicht an.

Zwei Dinge gehören zu dieser Studie ehrlich dazu: Sie lief über vier Wochen, nicht über Jahre, und finanziert hat sie der Hersteller des geprüften Präparats. Die Dosis lag außerdem weit über dem, was du aus einer Pipette nimmst. Für dich heißt das trotzdem etwas Handfestes. Die einzige Untersuchung, die genau diese Frage direkt gestellt hat, findet keinen Entzug.

Was im Körper passiert, wenn du CBD absetzt

Wenn du CBD absetzt, verschwindet nicht der Stoff schlagartig, sondern nach und nach seine Wirkung. CBD greift ins Endocannabinoid-System ein, das Schlaf, Schmerzempfinden und Stressreaktionen mitreguliert. Dieses System läuft weiter. Wie CBD im Körper wirkt, ändert sich durch das Absetzen nicht, es fällt nur die Unterstützung von außen weg. Genau das spürst du, nicht einen Entzug.

Wie lange CBD noch im Körper bleibt

Im Netz steht oft, nach zwei bis drei Tagen sei CBD aus dem Körper verschwunden. Das geht sich rechnerisch nicht aus. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 fand für die regelmäßige orale Einnahme eine Halbwertszeit von zwei bis fünf Tagen. Nach zwei bis drei Tagen ist also ungefähr die Hälfte abgebaut, nicht alles. Bis wirklich nichts mehr da ist, vergehen eher Wochen als Tage. Dieselbe Arbeit sagt allerdings auch offen, wie dünn die Datenlage dazu ist, und wie lange CBD im Körper bleibt, hängt stark von Dosis und Einnahmeform ab.

Praktisch heißt das: Ein Effekt, der am dritten Tag ohne Tropfen auftritt, kommt kaum vom fehlenden CBD. Da ist noch reichlich im System.

Rebound ist kein Entzug

Wenn deine alten Beschwerden zurückkommen, ist das ein Rebound, kein Entzug. Der Unterschied ist nicht akademisch, er entscheidet, was du daraus liest.

Entzug heißt, dein Körper hat sich an einen Stoff angepasst und reagiert auf dessen Fehlen mit neuen Symptomen. Zittern und Schwitzen nach Alkohol sind so etwas. Rebound heißt dagegen, ein Problem war nie weg, es war gedämpft. Fällt die Dämpfung weg, ist es wieder da. Es sind deine alten Beschwerden, keine neuen.

Wenn du also nach einer Woche ohne Tropfen wieder schlechter einschläfst, hat dich das CBD nicht abhängig gemacht. Es hat vorher etwas getan, das jetzt fehlt. Das ist eine völlig andere Nachricht, und sie führt zu einer anderen Entscheidung: nicht „ich muss da irgendwie durch", sondern „das Thema ist noch offen".

Direkt aufhören oder langsam reduzieren?

Bei niedriger Dosis kannst du direkt aufhören, bei langer Einnahme in hoher Dosierung fährst du besser in Schritten. Und hier kommt der Satz, den du anderswo nicht lesen wirst: Getestet hat das niemand. Es gibt keine Studie, die schrittweises Ausschleichen von CBD mit abruptem Absetzen vergleicht. Wer dir einen Fünf-Wochen-Plan als wissenschaftlich belegt verkauft, hat ihn sich ausgedacht.

Warum dann überhaupt in Schritten runter? Nicht wegen eines Entzugs, den es nicht gibt. Sondern weil du so etwas erfährst, was du sonst nie herausfindest: wie viel dein CBD Öl wirklich für dich tut.

Wer von zehn Tropfen auf null geht, hat am Ende ein Gefühl. Wer in Stufen runtergeht, hat Daten. Vielleicht merkst du bei der Hälfte noch gar nichts und stellst fest, dass du monatelang zu hoch dosiert hast. Vielleicht kippt es genau bei einer bestimmten Stufe, dann kennst du jetzt deine tatsächliche Wirkschwelle. Beides ist mehr wert als ein sauberer Ausstieg. Falls du merkst, dass die gewohnte Menge zuletzt ohnehin weniger gebracht hat, lohnt vorher ein Blick auf das Thema Toleranz, denn dann ist Absetzen vielleicht gar nicht die Frage.

WegDirekt aufhörenIn Schritten
Passt beiniedriger Dosis, kurzer Einnahmedauer, Nebenwirkungenlanger Einnahme, hoher Dosierung, Unsicherheit
Vorteilschnell erledigtdu siehst, welche Stufe was bringt
Nachteildu weißt hinterher nicht, was gewirkt hatdauert einige Wochen
Belegt durchkeine Studiekeine Studie

So gehst du in Stufen runter

Ein Vorgehen, das sich in der Praxis bewährt hat, ohne dass es jemand geprüft hätte: Halbiere deine Tropfenzahl und bleib fünf bis sieben Tage dabei, weil dein Spiegel wegen der langen Halbwertszeit erst dann stabil unten ist. Dann halbierst du erneut. Nimmst du morgens und abends, lässt du zuerst die Gabe weg, bei der du am wenigsten spürst.

Merke

Notiere während der Reduktion zwei Wochen lang Schlaf, Schmerz oder Anspannung auf einer Skala von 1 bis 10. Ohne Notizen verwechselst du hinterher einen schlechten Dienstag mit einer echten Veränderung.

Wie du deine Stufen sauber berechnest, zeigt dir der Dosierungsrechner, und die passende Dosierung hängt auch an der Konzentration deines Öls. Wenn du später wieder einsteigen willst, ist ein schwächeres CBD Öl oft die bessere Wahl als weniger Tropfen aus einer hohen Konzentration, weil du damit feiner steuerst.

Unsicher, welche Stärke zu deiner nächsten Stufe passt?

Wenn du runterdosierst oder später wieder einsteigen willst, entscheidet die Konzentration darüber, wie fein du steuern kannst. Unser Produktfinder fragt dich nach Anwendung und bisheriger Dosis und schlägt dir das passende Öl vor.

Zum Produktfinder

CBD absetzen, wenn du Medikamente nimmst

Nimmst du Medikamente, ist das Absetzen von CBD keine reine Kopfsache, sondern eine Frage deiner Leberenzyme. CBD hemmt CYP3A4 und CYP2C19, über die dein Körper auch viele Arzneimittel abbaut. Solange du CBD nimmst, arbeiten diese Enzyme gebremst, dein Medikament wird langsamer abgebaut, sein Spiegel im Blut liegt höher.

Fällt das CBD weg, dreht sich das um. Die Bremse geht ab, dein Medikament wird wieder normal abgebaut, sein Spiegel sinkt. Du hast an deinem Medikament nichts geändert, aber es wirkt jetzt möglicherweise anders als in den Wochen davor. Das ist der Punkt, den fast niemand auf dem Schirm hat: Auch das Absetzen von CBD ist eine Änderung deiner Wechselwirkungen, nicht nur das Anfangen.

Wie groß der Effekt ist, zeigt eine Untersuchung von 2021. Sechs Patientinnen und Patienten nahmen stabil Citalopram oder Escitalopram, dazu kam über zwölf Wochen aufsteigend CBD. Ihre Citalopram-Spiegel stiegen dabei messbar an.

Für dich heißt das zweierlei. Erstens: Wenn du CBD absetzt und dein Medikament wieder schwächer wirkt, liegt das vielleicht nicht am Medikament. Sag deiner Ärztin oder deinem Arzt, dass du CBD weglässt, so wie du es beim Anfangen sagen würdest.

Was du niemals tun solltest

Setze niemals dein Antidepressivum ab, weil du CBD nimmst. Antidepressiva werden ausgeschlichen, ärztlich begleitet, über Wochen. Wer sie eigenmächtig absetzt, riskiert ein Absetzsyndrom und einen Rückfall in die Erkrankung, die behandelt wird. CBD ist kein Ersatz für ein Antidepressivum und keine Ausstiegshilfe aus einem.

Das gilt genauso für verschreibungspflichtige CBD-Präparate bei Epilepsie. Die gehören in ärztliche Hand, nicht in eine Selbstentscheidung.

Häufige Fragen zum Absetzen von CBD

Ist das Absetzen von CBD sicher?
Ja, das Absetzen von CBD gilt als sicher. Es sind keine gefährlichen Absetzreaktionen bekannt, wie sie etwa von Benzodiazepinen oder Betablockern beschrieben werden. Die Einschränkung betrifft nicht das CBD selbst, sondern deine Begleitmedikation: Nimmst du Arzneimittel, besprich die Umstellung ärztlich.
Wie lange dauert der Entzug von CBD?
Es gibt keinen Entzug, der dauern könnte. Was zurückkehren kann, sind deine ursprünglichen Beschwerden, und die richten sich nach ihrem eigenen Verlauf, nicht nach einer Entzugsdauer. Weil CBD langsam abgebaut wird, verschwindet die Wirkung ohnehin schleichend über Tage.
CBD Öl absetzen: Was berichten andere über ihre Erfahrungen?
Erfahrungsberichte zum Absetzen sind nicht systematisch erfasst und deshalb schwer zu vergleichen. Verlässlicher als fremde Berichte ist dein eigener: Notiere zwei Wochen lang Schlaf, Schmerz oder Anspannung auf einer Skala von 1 bis 10, ab der letzten Dosis.
Kann man CBD dauerhaft einnehmen?
Ja, eine dauerhafte Einnahme ist möglich, eine zeitliche Obergrenze ist nicht bekannt. Sinnvoll ist sie, solange sie dir etwas bringt. Wenn du das nicht mehr sicher beurteilen kannst, ist eine Reduktion die ehrlichste Antwort darauf.
Welche Langzeitfolgen hat CBD?
Belastbare Langzeitdaten über mehrere Jahre fehlen bisher. Die vorliegenden Studien laufen über Wochen bis Monate und zeigen in diesem Rahmen eine gute Verträglichkeit. Bekannt und dokumentiert ist vor allem der Einfluss auf den Abbau von Medikamenten in der Leber.
Sollte ich das Absetzen mit meinem Arzt besprechen?
Ja, sobald du Medikamente nimmst. Der Grund ist der Enzym-Effekt: Ohne CBD kann der Wirkspiegel deines Arzneimittels sinken. Nimmst du ausschließlich CBD und sonst nichts, kannst du die Entscheidung selbst treffen.
Verändert sich der Appetit, wenn man CBD absetzt?
Dazu gibt es keine belastbaren Daten. Die Behauptung kursiert häufig, eine Studie, die den Appetit nach dem Absetzen von CBD gemessen hätte, existiert nicht. Wenn sich bei dir etwas ändert, ist der Zusammenhang unklar, nicht belegt.
Kann ich nach einer Pause einfach wieder anfangen?
Ja, du kannst jederzeit wieder einsteigen, ein Wiedereinschleichen ist nicht nötig. Starte lieber niedrig statt bei deiner alten Dosis: Nach einer Pause reicht oft weniger, und du erfährst dabei, wo deine Schwelle inzwischen liegt.

Unser Fazit

Absetzen ist eine Entscheidung, kein Entzug

Du kannst dein CBD Öl absetzen, ohne dass dein Körper dagegen protestiert. Was zurückkommen kann, sind die Beschwerden, die vorher da waren. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Information: Dann weißt du, dass das Öl etwas getan hat.

Bei niedriger Dosis kannst du direkt aufhören. Nach langer, hoher Einnahme lohnt sich der Weg in Stufen, nicht als Schutz vor einem Entzug, sondern weil du dabei siehst, welche Menge wirklich etwas bewirkt hat. Diese Antwort bekommst du sonst nie.

Und wenn du Medikamente nimmst, gehört das Absetzen ins Arztgespräch. Nicht weil CBD gefährlich wäre, sondern weil sich mit ihm auch die Rechnung für dein Medikament ändert.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keinen Arztbesuch. CBD ist kein Medikament und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen oder zu behandeln. Verschreibungspflichtige Medikamente, insbesondere Antidepressiva und Antiepileptika, setzt du nie eigenmächtig ab. Nimmst du Dauermedikation, sprich auch das Absetzen von CBD vorher mit deinem Arzt ab.

Medizinischer Haftungsausschluss
Studien und Quellen
  1. Taylor L, Crockett J, Tayo B, Checketts D, Sommerville K. (2020). Abrupt withdrawal of cannabidiol (CBD): A randomized trial. Epilepsy & Behavior, 104(Pt A), 106938. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32036242
  2. Millar SA, Stone NL, Yates AS, O'Sullivan SE. (2018). A Systematic Review on the Pharmacokinetics of Cannabidiol in Humans. Frontiers in Pharmacology, 9, 1365. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30534073
  3. World Health Organization (2018). Cannabidiol (CBD) – Critical Review Report. Expert Committee on Drug Dependence, Genf. who.int
  4. Anderson LL, Doohan PT, Oldfield L, Kevin RC, Arnold JC, Berger M, Amminger GP, McGregor IS. (2021). Citalopram and Cannabidiol: In Vitro and In Vivo Evidence of Pharmacokinetic Interactions Relevant to the Treatment of Anxiety Disorders in Young People. Journal of Clinical Psychopharmacology, 41(5), 525–533. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34121064
Dominik Martzy

Dominik Martzy

CBD-Fachautor

Dominik Martzy ist CBD-Fachautor mit Schwerpunkt auf Wirkung, Dosierung und Anwendungssicherheit. Er hat über 300 Fachartikel für CANNABY recherchiert und verfasst – anhand aktueller Studien, mit klarer Trennung zwischen gesichertem Wissen und offenen Fragen.