Cannabinoide
Was ist CBC? Cannabichromen einfach erklärt
Wer CBC googelt, landet erst einmal beim Blutbild. Das Kürzel ist doppelt belegt: In der Labormedizin steht es für den Complete Blood Count, in der Hanfpflanze für Cannabichromen. Gemeint ist hier das Cannabinoid, ein naher Verwandter von CBD, der seit einigen Jahren als das nächste große Molekül der Pflanze gehandelt wird. Ob er das einlöst, entscheidet sich an zwei Fragen: wie viel davon überhaupt in der Pflanze steckt und woran es bisher getestet wurde.
Das Wichtigste im Überblick
- CBC steht für Cannabichromen, ein nicht berauschendes Cannabinoid, das im Labor gezielt CB2-Rezeptoren aktiviert.
- Klinische Studien am Menschen gibt es bislang keine, alle Daten stammen aus Zellkulturen und Mäusen.
- Im Pflanzenmaterial stecken meist nur 0,05 bis 0,3% CBC, was reine CBC-Produkte teuer macht.
- CBC fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, für Öle und Kapseln greift die Novel-Food-Verordnung.
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde
Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.
Mehr über Dr. FurtlehnerWas ist CBC?
CBC ist die Kurzform von Cannabichromen, einem von über hundert Cannabinoiden der Hanfpflanze. Es macht nicht high, und es gehört zur selben Familie wie CBD, mit dem es sogar die chemische Summenformel teilt. Die Atome sind nur anders angeordnet, und genau daraus entstehen die Unterschiede in der Wirkung.
Entstanden ist CBC aus derselben Wurzel wie alle anderen Cannabinoide. Die Pflanze bildet zuerst Cannabigerolsäure, daraus wird Cannabichromensäure, und wenn Wärme oder Zeit hinzukommen, spaltet sich ein Kohlendioxid-Molekül ab. Übrig bleibt CBC.
Bis hierhin klingt alles nach einem gleichwertigen Geschwister von CBD. Beim Blick auf die Menge kippt das Bild. Analysen beschlagnahmter Cannabisproben aus den USA, Großbritannien und Australien fanden CBC-Gehalte zwischen 0,05 und 0,3%.
Du liest trotzdem überall, CBC sei „das drittwichtigste Cannabinoid". Der Titel bezieht sich darauf, dass CBC in vielen Sorten nach THC und CBD an dritter Stelle steht, nicht darauf, dass viel davon drin wäre. Für dich heißt das vor allem eins: Wer CBC isoliert anbieten will, braucht sehr viel Pflanzenmaterial. Genau da liegt der Grund für die Preise.
Welche Wirkung hat CBC?
Im Labor greift CBC vor allem an einer Stelle an, und die ist gut gewählt. Udoh und Kollegen (2019) zeigten an menschlichen Rezeptoren in der Zellkultur, dass CBC gezielt den CB2-Rezeptor aktiviert, und zwar wirkstärker als THC. CB2 sitzt vor allem auf Immunzellen und ist an Entzündungsprozessen beteiligt.
Das passt zu dem, was in Tierversuchen auffällt. Izzo und Kollegen (2012) lösten bei Mäusen eine Darmentzündung aus, woraufhin sich der Darm zu schnell bewegte. CBC normalisierte das. Kurios daran: Ausgerechnet dieser Effekt lief weder über CB1 und CB2 noch über den TRPA1-Kanal. CBC kann den CB2-Rezeptor also aktivieren, vermittelt darüber aber offenbar nicht jede seiner Wirkungen. Der Wirkweg ist damit nicht geklärt.
Weiter untersucht wurde CBC in drei Richtungen. Anderson und Kollegen (2021) fanden im Mausmodell des Dravet-Syndroms krampflösende Eigenschaften, und zwar auch für die verwandten Säureformen. Shinjyo und Di Marzo (2013) beobachteten in der Zellkultur, dass CBC Nervenzell-Vorläufer der Maus länger überleben ließ. Und El-Alfy und Kollegen (2010) sahen bei Mäusen im Schwimmtest eine kürzere Erstarrungszeit, was üblicherweise als Hinweis auf eine antidepressive Wirkung gilt.
Beim letzten Befund lohnt der genaue Blick, denn er wird im Netz am häufigsten zitiert. Die Tiere bewegten sich unter CBC insgesamt weniger. Wer sich generell weniger bewegt, erstarrt in diesem Test auch seltener, und damit lässt sich der Effekt nicht sauber von echter Stimmungsaufhellung trennen.
Und hier kommt der Punkt, an dem sich dieser Artikel von den meisten unterscheidet: Zu CBC existiert bislang keine einzige klinische Studie am Menschen. Alles oben stammt aus Zellkulturen und aus Nagetieren. Das ist kein Grund, CBC abzuschreiben, denn die Befunde zeigen konsistent in dieselbe Richtung. Es ist aber der Grund, warum dir niemand seriös sagen kann, wie viel CBC bei dir was bewirkt.
CBC im Vergleich zu CBD, CBG und CBN
Alle vier stammen aus derselben Pflanze und aus derselben chemischen Vorstufe. Unterscheiden tun sie sich vor allem darin, wie sie entstehen und wie gut sie erforscht sind.
| Cannabinoid | Unterschied |
|---|---|
| CBC | Entsteht aus Cannabichromensäure. Aktiviert im Zellversuch gezielt CB2-Rezeptoren. Keine Studien am Menschen. |
| CBD | Bindet kaum direkt an die Cannabinoid-Rezeptoren, wirkt unter anderem über Serotonin-Rezeptoren. Als Arzneimittel gegen bestimmte Epilepsieformen zugelassen. |
| CBG | Ist die entsäuerte Form von Cannabigerolsäure, also der Vorstufe aller anderen. In reifen Pflanzen bleibt meist wenig davon übrig. |
| CBN | Entsteht nicht in der Pflanze, sondern beim Abbau von THC durch Lagerung, Wärme und Sauerstoff. |
Am häufigsten wird CBC mit CBD verwechselt, und tatsächlich haben beide dieselbe Summenformel. Der Unterschied liegt im Bauplan des Moleküls und in den Folgen daraus: CBD greift breit an, unter anderem an Serotonin-Rezeptoren, und ist am Menschen in großen Studien untersucht. CBC setzt schmaler an, dafür genau an dem Rezeptor, der mit Entzündungen zu tun hat, und ist am Menschen bisher gar nicht untersucht.
Bei CBG ist die Lage ähnlich wie bei CBC: interessante Laborbefunde, wenig Substanz am Menschen. CBN fällt aus der Reihe, weil es kein Produkt der Pflanze ist, sondern ihres Alterns. Wenn du also vor einem Öl stehst und dich fragst, welches Kürzel du brauchst: CBD ist bislang das einzige, bei dem du dich auf Daten aus dem Menschen stützen kannst.
Lohnt sich ein reines CBC-Öl?
Für die meisten lohnt es sich derzeit nicht. Das liegt nicht daran, dass CBC uninteressant wäre, sondern daran, dass dir niemand sagen kann, wie viel du wovon nehmen solltest und was dabei herauskommt. Ohne eine einzige Studie am Menschen kaufst du ein Versprechen, keine Erfahrung.
Dazu kommt der Preis, und der hat einen sachlichen Grund. Bei 0,05 bis 0,3% im Pflanzenmaterial braucht es sehr viel Biomasse für ein paar hundert Milligramm CBC. Was du als hohen Preis siehst, ist im Wesentlichen dieser Aufwand.
Rechtlich bewegst du dich in einem Graubereich. CBC selbst fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Für Öle und Kapseln greift aber die europäische Novel-Food-Verordnung, die für neuartige Lebensmittel eine Zulassung verlangt, und die läuft für Cannabinoide bis heute. Für dich als Käufer ist das unkritisch, für Anbieter ist es der Grund, warum solche Produkte plötzlich verschwinden können.
Bevor du zu einem CBC-Produkt greifst, solltest du drei Angaben prüfen: den CBC-Gehalt in Milligramm pro Tropfen, den THC-Gehalt unter 0,3%, und ein aktuelles Analysenzertifikat mit Chargennummer, das beides bestätigt. Steht der CBC-Gehalt nirgends, weißt du auch nicht, wofür du zahlst.
Merke
Ein Cannabinoid, das auf der Flasche steht, aber nicht im Analysezertifikat auftaucht, ist eine Marketing-Angabe. Nur das Laborergebnis sagt dir, was tatsächlich drin ist.
Die praktikablere Alternative kennst du wahrscheinlich schon. Breitspektrum- und Vollspektrum-Extrakte enthalten neben CBD weitere Cannabinoide der Pflanze, und dieses Zusammenspiel ist als Entourage-Effekt bekannt. Welche Cannabinoide ein konkretes CBD Öl mitbringt, steht im jeweiligen Analysezertifikat, dort kannst du gezielt nachsehen, ob CBC dabei ist.
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Zum CBD ProduktfinderHäufige Fragen zu CBC
Was bedeutet CBC?
Macht CBC high?
Wofür wird CBC verwendet?
Ist CBC in Deutschland legal?
Hat CBC Nebenwirkungen?
Was ist der Unterschied zwischen CBC und CBCA?
Wie viel CBC sollte man nehmen?
Unser Fazit
Ein spannendes Molekül ohne Beweis am Menschen
CBC ist keine Marketing-Erfindung, sondern ein echtes Cannabinoid mit einem plausiblen Angriffspunkt: Es aktiviert im Labor gezielt CB2-Rezeptoren, die mit Entzündungen zu tun haben. Die Befunde aus Zellkulturen und Mausversuchen zeigen konsistent in dieselbe Richtung.
Was fehlt, ist der Schritt, der zählt. Es gibt bis heute keine klinische Studie am Menschen, und deshalb kann dir niemand sagen, wie viel CBC bei dir welchen Effekt hätte. Wer damit wirbt, geht über die Datenlage hinaus.
Für den Moment ist CBC vor allem eines: ein Molekül, das man im Auge behalten sollte. Wenn du heute etwas suchst, worauf du dich stützen kannst, bist du mit einem geprüften Breit- oder Vollspektrum-Öl besser bedient. Und bei anhaltenden Beschwerden ersetzt kein Cannabinoid den Gang zum Arzt.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keinen Arztbesuch. CBC ist kein Medikament und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen oder zu behandeln. Die hier genannten Befunde stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen und lassen sich nicht auf den Menschen übertragen. Bei anhaltenden Beschwerden oder dauerhafter Medikamenteneinnahme sprich vorher mit deinem Arzt oder Apotheker.
Medizinischer HaftungsausschlussStudien und Quellen
- Udoh M, Santiago M, Devenish S, McGregor IS, Connor M. (2019). Cannabichromene is a cannabinoid CB2 receptor agonist. British Journal of Pharmacology, 176(23), 4537–4547. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31368508
- Izzo AA, Capasso R, Aviello G, Borrelli F, Romano B, Piscitelli F, Gallo L, Capasso F, Orlando P, Di Marzo V. (2012). Inhibitory effect of cannabichromene, a major non-psychotropic cannabinoid extracted from Cannabis sativa, on inflammation-induced hypermotility in mice. British Journal of Pharmacology, 166(4), 1444–1460. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/PMC3417459
- Shinjyo N, Di Marzo V. (2013). The effect of cannabichromene on adult neural stem/progenitor cells. Neurochemistry International, 63(5), 432–437. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23941747
- Anderson LL, Ametovski A, Lin Luo J, Everett-Morgan D, McGregor IS, Banister SD, Arnold JC. (2021). Cannabichromene, Related Phytocannabinoids, and 5-Fluoro-cannabichromene Have Anticonvulsant Properties in a Mouse Model of Dravet Syndrome. ACS Chemical Neuroscience, 12(2), 330–339. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33395525
- El-Alfy AT, Ivey K, Robinson K, Ahmed S, Radwan M, Slade D, Khan I, ElSohly M, Ross S. (2010). Antidepressant-like effect of Δ9-tetrahydrocannabinol and other cannabinoids isolated from Cannabis sativa L. Pharmacology Biochemistry and Behavior, 95(4), 434–442. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20332000

