CBD bei Morbus Crohn – Wirkung, Studien und ehrliche Einordnung
Bauchkrämpfe nach jeder Mahlzeit, ständige Toilettengänge, das Gefühl, vom eigenen Körper kontrolliert zu werden. Wenn du mit Morbus Crohn lebst, kennst du das Wechselspiel aus Schüben und Remission – und die Nebenwirkungen von Cortison, Azathioprin oder Biologika. CBD wird oft als ergänzende Option gehandelt, aber die Wahrheit ist differenzierter, als die meisten Artikel zeigen: Reines CBD ist kein Entzündungshemmer im Darm – aber ein wertvoller Baustein für Stress, Schlaf und Krämpfe.
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DAS WICHTIGSTE IM ÜBERBLICK
- Ja, CBD kann bei Morbus Crohn unterstützen – vor allem bei Krämpfen, Stress und Schlafproblemen, weniger als direkter Entzündungshemmer im Darm.
- Studien zeigen: Reines CBD bringt allein keinen Remissions-Vorteil – Cannabisöl mit zusätzlichem THC zeigt klinische Wirkung, ist aber rezeptpflichtig.
- Starte mit 5–10 mg täglich, gib das Öl unter die Zunge und lass es etwa 60 Sekunden einwirken, taste dich langsam an 20–40 mg heran.
- CBD ersetzt keine Standardtherapie wie Cortison oder Biologika – Wechselwirkungen mit Crohn-Medikamenten gehören ärztlich abgeklärt.
Wie CBD bei Morbus Crohn wirkt
CBD greift bei Morbus Crohn an vier Punkten gleichzeitig ein: Immunreaktion, Schmerzempfinden, Darmbewegung und Stress. Der Schlüssel liegt in einem System, das gerade im entzündeten Darm besonders aktiv ist – dem Endocannabinoid-System.
In Deutschland leben rund 250.000 Menschen mit Morbus Crohn, die meisten erhalten ihre Diagnose zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr – die Erkrankung trifft also häufig mitten im Berufsleben oder in der Familienplanung. Die Standardtherapie mit Cortison, Immunsuppressiva oder Biologika hilft vielen, aber sie deckt nicht alles ab. Genau hier setzt das Interesse an CBD an.
Dein Magen-Darm-Trakt ist dicht mit CB1- und CB2-Rezeptoren besetzt. CB1-Rezeptoren findest du vor allem auf Nervenzellen im Darm und beeinflussen Schmerzweiterleitung und Darmmotilität. CB2-Rezeptoren sitzen auf Immunzellen und sind genau dort hochreguliert, wo bei Morbus Crohn die Entzündung tobt – ein Hinweis darauf, dass dein Körper selbst versucht, gegenzusteuern.
CBD bindet selbst nur schwach an diese Rezeptoren. Stattdessen hebt es den Spiegel deines körpereigenen Anandamids an, indem es das abbauende Enzym FAAH hemmt. Anandamid bleibt dadurch länger aktiv und kann seine entzündungshemmende und schmerzdämpfende Wirkung besser entfalten – und zwar bevorzugt dort, wo die Entzündung am stärksten ist.
Dazu kommt eine direkte Wirkung über den PPARγ-Rezeptor, der Entzündungskaskaden im Darm runterreguliert. In Tiermodellen mit Darmentzündungen senkt CBD nachweislich die Produktion von iNOS und entzündungsfördernden Zytokinen wie IL-1β. Zusätzlich aktiviert CBD den TRPV1-Rezeptor – einen Schmerzrezeptor, der bei viszeralen Beschwerden im Darm besonders relevant ist und über Desensibilisierung den chronischen Bauchschmerz dämpfen kann. Beim Menschen ist diese Wirkung allerdings bisher nicht zuverlässig auf objektive Entzündungsmarker im Darm übertragbar – mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Und weil chronischer Stress nachweislich Schübe triggert, wirkt CBD auch über das autonome Nervensystem. Es beruhigt den Vagusnerv und senkt die Cortisol-Reaktion – ein Effekt, der bei Crohn besonders wertvoll ist, weil Stress und Entzündung sich gegenseitig hochschaukeln.
Die vier Wirkachsen im Überblick
| Wirkachse | Was passiert im Körper | Was du spürst |
|---|---|---|
| Immunreaktion | CBD wirkt auf CB2-Rezeptoren und PPARγ, dämpft entzündungsfördernde Botenstoffe wie IL-1β und iNOS | In manchen Phasen weniger Druck und weniger Reizung im Bauch |
| Schmerz und Krämpfe | Verstärkung der Anandamid-Wirkung über FAAH-Hemmung, Wirkung auf CB1-Rezeptoren der Darmnerven | Bauchkrämpfe lassen nach, viszeraler Dauerschmerz wird erträglicher |
| Darmmotilität | Regulierung der überaktiven Darmbewegung, die bei Crohn häufig zu Durchfall führt | Weniger plötzlicher Stuhldrang und ruhigerer Stuhlrhythmus |
| Stress und Schlaf | Beruhigung von Vagusnerv und Cortisol-Achse, gleichzeitige Wirkung auf den Serotonin-1A-Rezeptor | Tieferer Schlaf, weniger nächtliches Aufwachen, geringere Schub-Anfälligkeit unter Stress |
Was die Studienlage wirklich sagt
Die Studienlage zu CBD bei Morbus Crohn ist klein, aber überraschend klar – und sie spricht eine differenzierte Sprache. Reines CBD allein zeigte in einer kontrollierten Studie keinen Vorteil gegenüber Placebo. Cannabisöl mit zusätzlichem THC bringt klinische Verbesserungen, kann die Entzündung im Darm aber endoskopisch nicht heilen. Das ist die unbequeme, aber ehrliche Wahrheit, die du kennen solltest, bevor du Erwartungen aufbaust.
Die wichtigsten Studien im Überblick
| Studie | Was untersucht wurde | Ergebnis |
|---|---|---|
| Naftali 2013 (Crohn) | 21 Crohn-Patienten, 8 Wochen, geraucht: Cannabis-Zigaretten mit 115 mg THC zweimal täglich vs. THC-freies Placebo | 90 % Cannabis-Gruppe mit klinischer Besserung (vs. 40 % Placebo, p=0,028) – primärer Endpunkt vollständige Remission knapp verfehlt, keine Veränderung der Entzündungsmarker |
| Naftali 2017 (Crohn) | 19 Patienten, 8 Wochen, oral: 10 mg reines CBD zweimal täglich vs. Placebo | Sicher und gut verträglich, aber kein Vorteil gegenüber Placebo bei klinischer Aktivität (CDAI) oder Laborparametern |
| Irving 2018 (Colitis ulcerosa) | 60 Patienten mit Colitis ulcerosa (verwandte CED), 10 Wochen, oral: CBD-reicher Botanik-Extrakt mit 4 % THC vs. Placebo | Primärer Endpunkt nicht erreicht (28 % Remission vs. 26 % Placebo). Per-Protocol-Analyse zeigte Verbesserungen bei Lebensqualität und Symptomen, häufig Nebenwirkungen wie Schwindel |
| Naftali 2021 (Crohn) | 56 Crohn-Patienten, 8 Wochen, oral: Cannabisöl mit 160 mg CBD und 40 mg THC pro ml vs. Placebo | Signifikante Verbesserung des CDAI (Median 282 → 166 vs. 264 → 237 Placebo, p<0,05) und der Lebensqualität – aber keine endoskopisch sichtbare Heilung, Entzündungsmarker unverändert |
Was das für dich bedeutet
Wenn du auf eine direkte endoskopische Heilung der Darmentzündung hoffst, ist reines CBD-Öl nicht das richtige Werkzeug – dafür brauchst du eine Standardtherapie oder die Kombination mit THC, die nur als medizinisches Cannabis auf Rezept erhältlich ist. Wenn du allerdings Krämpfe, Schlafprobleme, innere Unruhe und Schub-triggernden Stress in den Griff bekommen willst, kann CBD ein wertvoller Baustein sein. Die Wirkung ist subjektiv, aber für viele Betroffene spürbar – und genau hier setzt unsere Empfehlung an.
Die endoskopische Heilung – also das, was dein Gastroenterologe in der Darmspiegelung sieht – kommt durch deine Standardtherapie. CBD kann dir dabei helfen, die Phasen dazwischen besser zu durchstehen.
CBD im akuten Schub – und in der Remission
CBD wirkt in beiden Phasen unterschiedlich – wer das versteht, holt mehr heraus. Im Schub geht es um Symptomlinderung und Stressabbau, in der Remission um Schlaf, Stresspuffer und Vorbeugung des nächsten Schubs.
Morbus Crohn verläuft selten gleichmäßig. Du kennst die Phasen, in denen alles erträglich ist und du fast vergisst, dass du krank bist – und die Wochen, in denen jeder Bissen gefährlich wirkt. CBD passt nicht in jeder Phase gleich.
Im akuten Schub
Im Schub ist dein Darm überreizt, deine Schleimhaut entzündet, dein Nervensystem im Alarmzustand. Hier kann CBD an drei Stellen entlasten: Es lindert viszerale Krämpfe, beruhigt die überaktive Stress-Achse und unterstützt den Schlaf, der sich oft als erstes verabschiedet. Die Standardtherapie – Cortison, Budesonid, Biologika – bleibt der Anker. CBD läuft daneben und macht den Schub menschlicher.
Wichtig: Im akuten Schub ist dein Verdauungstrakt empfindlicher als sonst. Halte die Dosis niedrig (5–10 mg täglich), gib das Öl unter die Zunge und lasse es etwa 60 Sekunden einwirken – so umgehst du den gereizten Magen und Darm. Bei starkem Durchfall ist die orale Aufnahme über den Darm ohnehin schlecht; die sublinguale Aufnahme ist dann der einzige Weg, der zuverlässig funktioniert.
Wenn du gerade Cortison nimmst, sprich die CBD-Einnahme mit deinem Gastroenterologen ab.
In der Remission
In der Remission verschiebt sich der Fokus. Jetzt geht es darum, den nächsten Schub möglichst weit nach hinten zu verschieben. Stress ist einer der bestuntersuchten Schub-Trigger – und genau hier hat CBD einen klaren Wirkpfad. Tägliche Einnahme einer mittleren Dosis (15–30 mg) kann helfen, das Stresslevel im Alltag stabiler zu halten und die Schlafqualität zu verbessern. Beides wirkt mittelbar auf das Immungleichgewicht ein.
In dieser Phase verträgst du auch höhere Dosierungen problemlos. Du kannst auf 10% oder 15% wechseln und die Tropfenzahl entsprechend reduzieren. Zwei Einnahmen pro Tag – morgens und abends – sind das praktikabelste Schema.
Eine vollständige endoskopische Remission – also ein Darm, der in der Spiegelung wieder entzündungsfrei aussieht – wird CBD dir nicht bringen. Aber ein Leben, in dem du die ruhigen Phasen mit weniger Angst und besserem Schlaf erlebst, kann es durchaus.
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Richtige Dosierung und Einnahme
Starte niedrig, steigere langsam und beobachte deinen Körper über mehrere Wochen – bei Crohn ist das wichtiger als bei jeder anderen Indikation. Deine passende Dosierung hängt von Phase (Schub oder Remission), Schweregrad und bisheriger CBD-Erfahrung ab.
Ein Dosierungs-Tagebuch über die ersten zwei bis vier Wochen lohnt sich besonders: Notiere Dosis, Uhrzeit, Stuhlfrequenz, Schmerzlevel und Schlafqualität. So erkennst du Muster, die du sonst übersehen würdest – und du hast bei deinem nächsten Arztbesuch echte Daten, statt nur Bauchgefühl.
Dosierung nach Phase und Schweregrad
| Phase | CBD-Öl Stärke | Empfohlene Dosis | Tagesdosis CBD |
|---|---|---|---|
| Akuter Schub (Einstieg) | 5 % (2,5 mg pro Tropfen) | 2× täglich 2 Tropfen | 10 mg CBD |
| Akuter Schub (etabliert) | 10 % (5 mg pro Tropfen) | 2× täglich 2 Tropfen | 20 mg CBD |
| Remission (Pflege) | 10 % (5 mg pro Tropfen) | 2× täglich 2–3 Tropfen | 20–30 mg CBD |
| Remission (Stress / Schlaf) | 15 % (7,5 mg pro Tropfen) | 2× täglich 2–3 Tropfen | 30–45 mg CBD |
So nimmst du CBD am besten ein
Richtig eingenommen wirkt eine kleine Dosis oft besser als eine große, die schlecht aufgenommen wird – bei Crohn gilt das doppelt.
Gib die CBD Tropfen direkt unter die Zunge und lasse sie dort etwa 60 Sekunden einwirken. Über die Mundschleimhaut gelangt CBD direkt ins Blut – schneller und mit besserer Bioverfügbarkeit, als wenn du es schluckst. Das ist bei Crohn besonders wichtig: Bei Schüben mit Durchfall ist die Aufnahme über den Darm unzuverlässig, und CBD Kapseln verlieren dadurch viel ihrer Wirkung.
CBD ist fettlöslich. In der Remissionsphase wirkt es besonders gut zusammen mit einer Mahlzeit, die etwas Fett enthält – etwa Avocado, Nüsse oder ein Teelöffel Leinöl. Im akuten Schub, wenn du ohnehin wenig isst, reicht die sublinguale Aufnahme über die Mundschleimhaut.
Die Tagesdosis teilst du am besten in zwei Einnahmen: morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen. Wer vor allem mit Schlafproblemen kämpft, kann die Abenddosis etwas höher ansetzen.
Wie lange dauert es, bis CBD wirkt
Bei akuten Krämpfen spürst du über die Mundschleimhaut meist nach 15–30 Minuten eine leichte Entspannung. Die tieferen Effekte auf Stress, Schlaf und Schub-Häufigkeit bauen sich aber schrittweise auf: Erste Verschiebungen zeigen sich in der Regel nach zwei bis vier Wochen, der volle Effekt nach acht bis zwölf Wochen konstanter Einnahme.
Wenn du nach sechs Wochen keine Wirkung spürst, erhöhe die Stärke des Öls statt die Tropfenzahl. Eine höhere Konzentration pro Tropfen wirkt zuverlässiger und ist auf Dauer wirtschaftlicher.
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Wechselwirkungen mit Crohn-Medikamenten
CBD wird in deiner Leber über dieselben Enzyme abgebaut wie viele Crohn-Medikamente. Solche Wechselwirkungen sind in den üblichen CBD-Dosen meist mild – aber gerade bei Immunsuppressiva und Biologika gehört das Thema ärztlich abgeklärt, nicht ignoriert.
Verantwortlich ist das CYP450-Enzymsystem, vor allem die Untergruppen CYP3A4 und CYP2C9. CBD hemmt beide leicht. Wenn dein Crohn-Medikament denselben Abbauweg nutzt, kann sein Blutspiegel etwas steigen – und damit auch seine Wirkung und seine Nebenwirkungen.
CBD und Cortison (Prednisolon, Budesonid)
Cortison wird primär über CYP3A4 abgebaut. CBD kann diesen Abbau verlangsamen und damit Cortison etwas länger im Blut halten. In der Praxis ist das selten dramatisch, aber relevant: Manche Anwender berichten, dass sie unter CBD weniger Cortison brauchen, um ihre Symptome zu kontrollieren. Setze Cortison niemals selbst ab oder reduziere die Dosis ohne ärztliche Begleitung – das Ausschleichen muss langsam erfolgen, sonst droht ein Rebound-Schub.
CBD und Immunsuppressiva (Azathioprin, Methotrexat, 6-Mercaptopurin)
Hier ist Vorsicht geboten. Azathioprin wird über mehrere Wege abgebaut, darunter Enzyme, die CBD beeinflusst. Eine engmaschige Kontrolle deiner Leberwerte und Blutbilder ist Pflicht, besonders in den ersten Wochen der CBD-Einnahme. Methotrexat ist weniger problematisch in der Wechselwirkung, aber beide Medikamente können selbst Müdigkeit und Übelkeit verursachen – Effekte, die CBD verstärken kann.
Faustregel: Wenn du Immunsuppressiva nimmst, fang mit einer sehr niedrigen Dosis an (5 mg täglich), warte zwei Wochen, lass deine Werte kontrollieren, dann steigere langsam.
CBD und Biologika (Infliximab, Adalimumab, Vedolizumab, Ustekinumab)
Biologika werden anders abgebaut als Tabletten – sie werden vom Körper enzymatisch zerlegt, nicht über CYP450 verstoffwechselt. Direkte pharmakologische Wechselwirkungen mit CBD sind deshalb unwahrscheinlich. Trotzdem solltest du dein Crohn-Team informieren, wenn du CBD ergänzend einsetzt: Die Datenlage zu Langzeitkombinationen ist dünn, und einige Studien deuten auf eine veränderte Immunmodulation bei gleichzeitiger CBD-Einnahme hin.
CBD und JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Upadacitinib)
Tofacitinib wird über CYP3A4 verstoffwechselt – CBD kann den Spiegel anheben. Bei dieser neueren Klasse von Crohn-Medikamenten gilt: kleinere CBD-Dosen, engere Kontrollen und unbedingte ärztliche Absprache. Die Wirkstoffe sind hochpotent, das Risiko für relevante Spiegelerhöhungen ist höher als bei klassischen Immunsuppressiva.
Der richtige Zeitabstand
Halte mindestens zwei Stunden Abstand zwischen CBD und deiner regulären Medikation. So gibst du deiner Leber Zeit, das eine zu verstoffwechseln, bevor das andere kommt. Wenn du morgens und abends Medikamente nimmst, passt CBD am Vormittag (zwischen Frühstück und Mittagessen) und am späten Nachmittag oder vor dem Schlafengehen mit Abstand zur Abenddosis.

Was Anwender berichten
CBD bringt bei Morbus Crohn nicht den einen großen Effekt – sondern viele kleine, die zusammen die Lebensqualität spürbar verbessern. Vier Erfahrungen aus der Crohn-Community:
Ergänzende Maßnahmen, die CBD unterstützen
CBD wirkt deutlich besser, wenn die bekannten Schub-Trigger parallel reduziert werden. Diese Maßnahmen kosten wenig, entlasten aber spürbar – und können dabei helfen, den Abstand zum nächsten Schub zu vergrößern.
Schonkost im Schub, Vielfalt in der Remission
Im akuten Schub ist Reduktion der Schlüssel: leichte Kost wie Haferschleim, gekochte Kartoffeln, geschältes Obst, gedünsteter Fenchel. Faserreiche Lebensmittel, scharfe Gewürze, Alkohol, Koffein und stark verarbeitete Speisen reizen den entzündeten Darm zusätzlich. Manche Betroffene profitieren in dieser Phase von einer kurzen Phase enteraler Ernährung – das gehört aber in die Hand deines Gastroenterologen.
In der Remission verschiebt sich der Fokus auf Vielfalt. Eine mediterrane Ernährungsweise mit viel Gemüse, Olivenöl, Fisch und wenig rotem Fleisch ist die einzige Ernährungsform, die in Studien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen einen messbaren Vorteil zeigt. Omega-3-Fettsäuren aus Lachs, Leinöl oder Walnüssen wirken entzündungsmodulierend.
Mikrobiom stärken
Bei Morbus Crohn ist die Darmflora typischerweise verarmt: weniger Vielfalt, weniger entzündungshemmende Bakterien wie Faecalibacterium prausnitzii. Probiotische Lebensmittel wie Kefir, Joghurt (laktosefrei wenn nötig), milde Sauerkrautsäfte oder gezielte Probiotika-Präparate können die Vielfalt unterstützen. Erste Studien deuten darauf hin, dass auch CBD selbst günstig auf die Mikrobiom-Zusammensetzung wirken könnte – ein noch junges, aber spannendes Feld.
Wichtig: Im akuten Schub können Probiotika das Gegenteil bewirken und zusätzlich Blähungen oder Durchfall verursachen. Sie gehören in die Remissionsphase, nicht in die Akutphase.
Stress runterfahren – der wichtigste Hebel
Stress ist einer der bestuntersuchten Schub-Trigger bei Morbus Crohn. Die Stress-Achse über den Vagusnerv beeinflusst direkt die Darmentzündung – und genau hier setzt auch CBD an. Was den Effekt verstärkt: Atemübungen wie die 4-7-8-Methode (vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen) regulieren den Vagusnerv direkt. Schon fünf Minuten täglich reichen, um messbare Effekte zu bekommen.
Yoga, Meditation, Achtsamkeitstraining oder progressive Muskelentspannung sind in mehreren Studien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als hilfreich beschrieben. Wähle die Methode, die du wirklich durchhältst – Regelmäßigkeit schlägt Perfektion.
Bewegung in der richtigen Dosis
Moderate Bewegung – tägliche Spaziergänge, leichtes Yoga, Schwimmen – wirkt entzündungsmodulierend und stressabbauend. Was du in Schubphasen meiden solltest, sind extreme Belastungen wie Marathonlauf oder hochintensives Training; sie können selbst schub-triggernd wirken. Ein guter Rhythmus: 30 Minuten moderate Bewegung, vier bis fünf Mal die Woche.

Wann du dringend zum Arzt solltest
Morbus Crohn ist eine ernsthafte Erkrankung, die regelmäßige ärztliche Begleitung braucht – manche Warnsignale sind aber Notfälle, die nicht warten dürfen.
Zur Notaufnahme oder zum Notarzt gehörst du sofort bei:
Schwarzem, teerartigem Stuhl oder frischem Blut im Stuhl – beides sind Hinweise auf eine ernsthafte Blutung im Verdauungstrakt. Heftigem, anhaltendem Bauchschmerz mit hartem Bauch oder Fieber – das kann auf einen Darmverschluss, eine Perforation oder einen Abszess hindeuten. Plötzliche Symptome einer Fistel wie Schmerzen am After, Eiteraustritt oder Hautrötungen brauchen ebenfalls schnelle Abklärung.
Zeitnah ärztlich abklären solltest du:
Schübe, die sich trotz deiner Standardtherapie nicht bessern, sowie ungewollten Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent deines Körpergewichts in wenigen Wochen. Dauerhafte Müdigkeit, die durch Schlaf nicht weggeht, kann auf einen Eisenmangel oder eine Vitamin-B12-Unterversorgung hinweisen – beides ist bei Crohn häufig und gut behandelbar.
Auch wer CBD ergänzend einnimmt, sollte das beim nächsten Termin offen ansprechen. Dein Crohn-Team kann dann die Leberwerte mit kontrollieren, mögliche Wechselwirkungen einschätzen und deine Standardtherapie bei Bedarf anpassen.
CBD kann begleitend wirken – ärztliche Diagnostik und Therapie ersetzt es nicht.
Die aktuelle S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) zu Morbus Crohn aus dem Jahr 2024 empfiehlt Cannabinoide nicht als Standardtherapie – die Datenlage reicht für eine Leitlinien-Empfehlung noch nicht aus. CBD bleibt damit eine ergänzende Eigenentscheidung in Absprache mit deinem Crohn-Team. Wer es ausprobieren möchte, sollte das offen kommunizieren, statt es nebenher laufen zu lassen.
Häufige Fragen zu CBD bei Morbus Crohn
Hilft CBD wirklich bei Morbus Crohn?
Welches CBD-Öl eignet sich bei Morbus Crohn?
Kann CBD einen Crohn-Schub stoppen?
Darf ich CBD zusammen mit Azathioprin oder Methotrexat nehmen?
Hat CBD Wechselwirkungen mit Biologika wie Humira oder Remicade?
Wie schnell wirkt CBD bei Crohn?
Kann CBD die Entzündung im Darm wirklich senken?
Brauche ich für Morbus Crohn THC im Produkt?
Unser Fazit zu CBD bei Morbus Crohn
CBD ist aus unserer Sicht kein Ersatz für deine Standardtherapie – aber ein wertvoller Baustein, den die meisten Crohn-Ratgeber zu rosig zeichnen. Die ehrliche Einordnung: Reines CBD wird die endoskopische Entzündung in deinem Darm nicht zuverlässig zurückdrängen. Diese Wirkung haben in den Studien nur Cannabisöle mit zusätzlichem THC gezeigt, und die gibt es nur auf Rezept.
Was CBD aber gut kann, sind die Begleitsymptome, die das Leben mit Crohn schwer machen: Krämpfe, Schlafprobleme, innere Unruhe, der Stress, der den nächsten Schub triggert. Genau dort entfaltet CBD seine Stärke – und genau dort beobachten wir bei unseren Kunden mit Crohn die zuverlässigsten Rückmeldungen.
Unser Rat: Starte mit einer niedrigen Dosis, gib deinem Körper acht bis zwölf Wochen Zeit, sprich die Einnahme mit deinem Crohn-Team ab und kombiniere CBD mit den ergänzenden Maßnahmen aus diesem Artikel. So findest du heraus, ob CBD für deinen Crohn-Alltag der richtige Baustein ist.
Medizinischer Haftungsausschluss
Studien und Quellen
- Naftali T, Bar-Lev Schleider L, Dotan I, Lansky EP, Sklerovsky Benjaminov F, Konikoff FM (2013). Cannabis Induces a Clinical Response in Patients With Crohn's Disease: A Prospective Placebo-Controlled Study. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 11(10), 1276–1280.e1. doi.org/10.1016/j.cgh.2013.04.034
- Naftali T, Mechulam R, Marii A, Gabay G, Stein A, Bronshtain M, Laish I, Benjaminov F, Konikoff FM (2017). Low-Dose Cannabidiol Is Safe but Not Effective in the Treatment for Crohn's Disease, a Randomized Controlled Trial. Digestive Diseases and Sciences, 62(6), 1615–1620. doi.org/10.1007/s10620-017-4540-z
- Irving PM, Iqbal T, Nwokolo C, Subramanian S, Bloom S, Prasad N, Hart A, Murray C, Lindsay JO, Taylor A, Barron R, Wright S (2018). A Randomized, Double-blind, Placebo-controlled, Parallel-group, Pilot Study of Cannabidiol-rich Botanical Extract in the Symptomatic Treatment of Ulcerative Colitis. Inflammatory Bowel Diseases, 24(4), 714–724. doi.org/10.1093/ibd/izy002
- Naftali T, Bar-Lev Schleider L, Almog S, Meiri D, Konikoff FM (2021). Oral CBD-rich Cannabis Induces Clinical but Not Endoscopic Response in Patients with Crohn's Disease, a Randomised Controlled Trial. Journal of Crohn's and Colitis, 15(11), 1799–1806. doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjab069
- Sturm A, Atreya R, Bettenworth D, Bokemeyer B, Dignass A, et al. (2024). Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn" der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Version 4.1) – living guideline. Zeitschrift für Gastroenterologie, 62(8), 1229–1318. doi.org/10.1055/a-2309-6123
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