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CANNABY · ARTIKEL (cbcl) · Was ist Cannabicyclol (CBL)? — Artikel-Fragment

Cannabinoide

Was ist Cannabicyclol (CBL)? Wirkung, Entstehung und Vorkommen

Die Hanfpflanze baut ihre Cannabinoide selbst auf, Enzym für Enzym. Bei einem funktioniert das nicht: CBL entsteht erst, wenn Licht ein fertiges Cannabinoid umbaut, oft lange nach der Ernte. Im Analysezertifikat deines Öls taucht es fast nie auf, in gelagertem Pflanzenmaterial dagegen zuverlässig. Sechzig Jahre lang hat sich kaum jemand dafür interessiert. Seit Anfang 2025 ist das anders.

Das Wichtigste im Überblick

  • CBL (Cannabicyclol) ist ein nicht berauschendes Cannabinoid und entsteht aus CBC durch Licht und Zeit.
  • Zwei Studien aus 2025 und 2026 zeigen Wirkpfade am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A und am Adenosin-A2A-Rezeptor, bisher nur in Zellen und Mäusen.
  • An CB1 und CB2 bindet CBL kaum, deshalb macht es nicht high.
  • Reine CBL-Produkte gibt es praktisch nicht, du nimmst es nur über Breit- oder Vollspektrum-Öle auf.
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Medizinisch geprüft

Dr. med. Wolfgang Furtlehner

Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde

Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist CBL (Cannabicyclol)?
  2. Wie CBL wirkt
  3. Kann man CBL kaufen?
  4. Wie sicher ist CBL?
  5. Ist CBL in Deutschland legal?
  6. Häufige Fragen
  7. Fazit

Was ist CBL (Cannabicyclol)?

CBL ist die Kurzform für Cannabicyclol, ein Cannabinoid der Hanfpflanze ohne berauschende Wirkung. Anders als CBD, THC oder CBG steht es aber nicht im enzymatischen Bauplan der Pflanze: Kein Enzym stellt CBL her. Es bleibt am Ende einer Abbaureihe übrig, ganz zum Schluss. Auf dem Etikett deines Öls wirst du es deshalb kaum finden.

Das macht CBL zu einem Sonderfall unter den bekannten Cannabinoiden. Die meisten gehen auf CBGA zurück, die Mutter aller Cannabinoide, und werden von der Pflanze gezielt gebildet. CBL dagegen entsteht ohne ihr Zutun, allein durch Licht und Zeit.

Entdeckt haben es 1964 die deutschen Chemiker F. Korte und H. Sieper. Sie hielten die Substanz zunächst für eine Spielart von THC und tauften sie „THC III". Vier Jahre später zeigte ein Team um Leslie Crombie und Raphael Mechoulam, dass die Struktur eine ganz andere ist und wie das Molekül tatsächlich entsteht. Die endgültige Bestätigung lieferte 1970 eine Röntgenstrukturanalyse.

Danach wurde es still. Während THC, CBD und später auch CBC, CBG und CBN untersucht wurden, blieb CBL sechs Jahrzehnte lang ein weißer Fleck. In der Pflanze steckt so wenig davon, dass sich lange niemand die Mühe machte, genug für ein Experiment zusammenzubekommen. Fast alles, was du heute über die Wirkung von CBL liest, stammt deshalb aus den letzten anderthalb Jahren.

Wie CBL entsteht: aus CBC durch Licht und Zeit

CBL hat genau eine Quelle, und die heißt CBC. Trifft UV-Licht auf Cannabichromen, klappt das Molekül in eine neue, sehr feste Ringstruktur um. Diesen Weg beschrieben Crombie, Mechoulam und Kollegen 1968 in einer der ersten Arbeiten zur Photochemie von Cannabinoiden.

Ganz so eindeutig ist die Sache allerdings nicht. Die US-Arbeitsgruppe, die CBL 2025 erstmals pharmakologisch untersucht hat, stellte den Stoff im Labor über einen sauren Katalysator her, ganz ohne Licht. Für die Praxis heißt das: Licht ist der wichtigste Auslöser, Wärme und Zeit spielen mit hinein. Frisches Pflanzenmaterial enthält kaum CBL. Dein Öl im Schrank enthält umso mehr davon, je länger es dort steht.

Warum CBL fast nur in gealtertem Hanf steckt

Je länger Hanf lagert und je mehr Licht er dabei abbekommt, desto mehr CBC ist in CBL umgewandelt. Das gilt für getrocknete Blüten genauso wie für Extrakte. In modernen Sorten liegen die Mengen so niedrig, dass Fachliteratur sie schlicht als vernachlässigbar führt.

Wie zäh dieses Molekül ist, zeigt ein archäologischer Fund. 2008 untersuchte ein Team um Ethan Russo Cannabis aus einem Grab in Xinjiang in Westchina, rund zweieinhalb Jahrtausende alt. Die Gaschromatografie fand darin CBD, CBC, CBN und eben auch CBL, also weitgehend dieselben Stoffe, die heute in einem Vollspektrum-Öl stecken. Die Probe war ein komplettes Cannabinoid-Archiv, und CBL war Teil davon.

Genau hier setzt eine Debatte an, die in Ratgebern selten auftaucht: Fachleute streiten bis heute, ob CBL überhaupt ein echter Pflanzenstoff ist oder erst bei Lagerung und Extraktion entsteht. Für dich als Anwender läuft beides auf dieselbe praktische Konsequenz hinaus. Wenn du dein Öl richtig lagerst, also dunkel, kühl und fest verschlossen, verändert sich sein Cannabinoid-Profil kaum. Steht es monatelang auf deiner Fensterbank, schon.

Wie CBL wirkt

Zwei Wirkpfade von CBL sind inzwischen belegt: einer am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A, einer am Adenosin-A2A-Rezeptor. Beide stammen aus Zellversuchen und aus Mäusen, keiner aus einer Untersuchung am Menschen. Wenn du wissen willst, was CBL bei dir auslöst, ist das die ehrliche Ausgangslage, und sie gehört an den Anfang statt ins Kleingedruckte.

Kaum Bindung an CB1 und CB2

An den beiden klassischen Cannabinoid-Rezeptoren tut sich bei CBL wenig. Bindungstests der Arbeitsgruppe von 2025 zeigten nur schwache Wechselwirkungen mit CB1 und CB2, den Rezeptoren, über die THC dich berauschen würde. Bei Mäusen bestätigte sich das ein Jahr später: Ein Wirkstoff, der CB1 gezielt blockiert, änderte an den beobachteten CBL-Effekten nichts.

Für dich heißt das ganz praktisch: CBL macht nicht high. Kein Rausch, keine veränderte Wahrnehmung, keine motorischen Ausfälle. Wenn du beim Stichwort Cannabinoid reflexhaft an THC denkst, liegst du hier falsch.

Der Serotonin-Rezeptor 5-HT1A

Im Januar 2025 veröffentlichte eine US-Arbeitsgruppe um Mehdi Haghdoost und Marcel Bonn-Miller im Journal of Natural Products die erste echte Wirkstudie zu CBL überhaupt. Sie prüften das Molekül an einem Rezeptor, den vorher niemand mit CBL in Verbindung gebracht hatte: 5-HT1A, einem der zentralen Andockstellen für Serotonin im Nervensystem.

CBL band mit hoher Affinität an 5-HT1A und verhielt sich dort als positiver allosterischer Modulator. Es aktiviert den Rezeptor nicht selbst, sondern verstärkt, was körpereigenes Serotonin dort ohnehin tut. Bei 4 Mikromol stieg das gemessene Rezeptorsignal von 20 auf 80 Prozent. Für dich heißt das: Beschrieben ist ein Ansatzpunkt, keine Wirkung auf deine Stimmung.

Eine Sache gehört zur ehrlichen Darstellung dazu: Die Autoren arbeiten für zwei US-Cannabinoid-Unternehmen. Das entwertet die Messungen nicht, denn die Methodik ist sauber dokumentiert und die Struktur der eingesetzten Substanz wurde per Röntgenkristallografie bestätigt. Es ist aber ein Grund, auf eine unabhängige Bestätigung zu warten, bevor du daraus Erwartungen an Stimmung oder Stress ableitest.

Der Adenosin-A2A-Rezeptor

Dreizehn Monate später kam die erste Untersuchung am lebenden Organismus. Ein Team der University of Connecticut um Steven Kinsey gab CBL an Mäuse und fand einen zweiten Wirkpfad, den vorher ebenfalls niemand auf dem Schirm hatte: den Adenosin-A2A-Rezeptor. Körpertemperatur und Bewegungsdrang der Tiere sanken, und beides ließ sich vollständig aufheben, sobald ein A2A-Blocker gegeben wurde.

Im Entzündungsmodell verringerte CBL die Schwellung der Pfote und senkte den Entzündungsbotenstoff Interleukin-6. Bei einer Nervenschädigung reagierten die Tiere weniger empfindlich auf Kältereize. Das klingt nach genau dem, wofür du dir ein Öl kaufst, und genau hier lohnt der zweite Blick.

Die Forscher selbst schreiben nämlich dazu, was in den meisten Zusammenfassungen fehlt. Auf mechanische Reize wirkte CBL überhaupt nicht. Angst- oder stimmungsbezogene Effekte zeigten sich ebenfalls nicht. Und die Kältewirkung trat nur in Dosierungen auf, bei denen die Tiere gleichzeitig auskühlten, weshalb sich nicht ausschließen lässt, dass sie den Kältereiz einfach schlechter gespürt haben. Du liest hier also einen Anfang, kein Ergebnis.

Merke

Die Mäuse bekamen CBL gespritzt, in Mengen von 10 bis 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Dein Vollspektrum-Öl liefert davon Spuren, und du schluckst sie, statt sie dir zu spritzen. Zwischen „wirkt im Tierversuch" und „wirkt bei dir" liegt genau dieser Abstand.

Damit hat CBL innerhalb von gut einem Jahr von null auf zwei belegte Wirkpfade aufgeschlossen. Was daraus für dich folgt, ist trotzdem offen: Wie viel CBL nach dem Schlucken in deinem Körper ankommt, weiß niemand, und eine wirksame Menge für den Menschen ist nirgends beschrieben.

Deshalb tust du gut daran, bei Schlagzeilen zu CBL skeptisch zu bleiben. 2024 berichtete eine Arbeit, dass CBL in Zellkulturen die Verschmelzung des Coronavirus-Spike-Proteins mit der Zellmembran hemmt. Die Autoren der 2025er Studie ordnen diesen Befund in ihrer eigenen Einleitung nüchtern ein: Die dafür nötige Konzentration sei so hoch, dass sie biologisch kaum eine Rolle spielen dürfte. Ein Vorschlag, CBL bei Parkinson einzusetzen, stammt bislang aus einer reinen Computersimulation.

Ein Detail bleibt trotzdem bemerkenswert. Auch CBD wirkt teilweise über 5-HT1A, allerdings als direkter, schwacher Agonist. CBL greift an derselben Stelle an, aber als Verstärker. Zwei Cannabinoide, ein Schaltpunkt, zwei völlig verschiedene Hebel: Ob sich daraus etwas ergibt, wenn sie gemeinsam in einem Öl stecken, hat bisher niemand untersucht.

CBL, CBC, CBN und CBD im direkten Vergleich

CBL steht in der Pflanze nicht allein. Mit CBN teilt es die Herkunft als Abbauprodukt, mit CBD den Rezeptor, mit CBC den gemeinsamen Ursprung. Wenn du CBL neben seine Verwandten stellst, siehst du die Unterschiede sofort:

StoffEntstehungRauschRezeptor
CBLAbbau von CBC durch Licht und ZeitNein5-HT1A, Adenosin A2A
CBCEnzymatisch aus CBGANeinCB2, TRP-Kanäle
CBNAbbau von THC durch Sauerstoff und ZeitSchwach möglichCB1 und CB2, TRPV1
CBDEnzymatisch aus CBGANein5-HT1A, TRPV1, PPARγ

Zwei Zeilen fallen auf. CBC und CBL sind dasselbe Molekül in zwei Lebensphasen: CBC die junge, aktive Form, CBL die alte, stabile. Und CBN gilt zwar landläufig als harmlos, zeigte im Tierversuch von 2026 in hohen Dosen aber durchaus THC-typische Effekte. Diese Einordnung findest du in kaum einem Ratgeber, sie steht aber genau so in der Studie.

Das ganze Cannabinoid-Profil statt einzelner Moleküle

CBL, CBC, CBG, CBN: In einem Breit- oder Vollspektrum-Öl steckt die ganze Bandbreite der Pflanze, nicht nur ein isolierter Wirkstoff. Schweizer Bio-Hanf, CO₂-Extraktion, jede Charge laborgeprüft.

Zu unseren CBD Ölen

Kann man CBL kaufen?

Nein, als eigenes Produkt praktisch nicht. Du findest kein CBL-Öl, keine CBL-Tropfen und kein CBL-Isolat im deutschen Handel. Wenn du CBL aufnehmen willst, geht das nur über ein Öl, das das komplette Cannabinoid-Profil der Pflanze mitbringt.

Der Grund ist nüchterne Rechnerei. Um nennenswerte Mengen CBL zu bekommen, müsstest du CBC monatelang lagern oder gezielt bestrahlen. Beides kostet Zeit und Material, und am Ende steht ein Stoff ohne Humandaten. Für die Forschung wird CBL im Labor synthetisiert, für ein Produkt in deinem Regal lohnt sich der Aufwand nicht.

Das kann sich ändern. Sollten die Befunde zu 5-HT1A und A2A in weiteren Untersuchungen halten, werden Hersteller nachziehen. Heute führt dein Weg zu CBL genauso wie bei CBC über ein gutes Öl mit vollem Pflanzenspektrum.

Woran du ein Öl mit vollem Cannabinoid-Profil erkennst

Wenn du ein Öl prüfst, ist das Analysezertifikat dein wichtigster Anhaltspunkt. Ein Öl, das nur CBD und THC ausweist, sagt dir nichts über die Nebencannabinoide. Ein gutes Zertifikat listet auch CBG, CBN, CBC und CBDA. CBL selbst steht dort meist nicht, weil die üblichen Prüfverfahren nur auf die gängigen Cannabinoide kalibriert sind. Ein breites Profil im Zertifikat ist also der beste verfügbare Anhaltspunkt, kein direkter Nachweis.

Auf drei weitere Punkte solltest du achten. Die Herkunft sollte zertifizierter Nutzhanf sein. Bei der Extraktion gilt CO₂ als sauberster Standard, weil dabei keine Lösungsmittelreste zurückbleiben. Und beim Trägeröl sind MCT-Öl oder Hanfsamenöl bewährt, beide vertragen die meisten gut.

Bleibt die Frage, welches Spektrum du nimmst. Breit- oder Vollspektrum unterscheiden sich beim THC: Breitspektrum ist THC-frei, Vollspektrum enthält Spuren unter 0,05%. Für dein Cannabinoid-Profil macht das sonst kaum einen Unterschied, beide bringen dir die Nebencannabinoide mit. Unsere CBD Öle gibt es in beiden Spektren.

So nimmst du ein Vollspektrum-Öl ein

Du gibst ein paar Tropfen unter die Zunge, lässt sie etwa 60 Sekunden einwirken und schluckst dann. In dieser Minute nimmt deine Mundschleimhaut einen Teil der Cannabinoide direkt auf, der Rest geht über deinen Verdauungstrakt.

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Wie sicher ist CBL?

CBL gilt als nicht berauschend, aber sichere Aussagen zur Verträglichkeit gibt es nicht: Es wurde nie am Menschen untersucht. Keine Dosisstudie, keine Verträglichkeitsprüfung, keine Langzeitdaten. Wer dir etwas anderes erzählt, hat die Quellenlage nicht angesehen.

Was die alten Tierversuche wirklich zeigen

Durch fast jeden Ratgeber zu CBL geistert derselbe Satz: 1976 sei ein Kaninchen an CBL gestorben. Die Primärquelle dazu ist eine Arbeit von Martin und Consroe im Fachjournal Science. Was dort tatsächlich beschrieben wird, ist eine eigens gezüchtete Kaninchenlinie, die schon auf kleinste Mengen Cannabinoide mit Krämpfen reagiert, und eine Gabe direkt in die Vene.

Für dich heißt das: Aus diesem Aufbau lässt sich für ein paar Tropfen Öl unter der Zunge nichts ableiten. Der Satz wird trotzdem seit fast fünfzig Jahren weitergereicht.

Etwas belastbarer ist ein älterer Befund aus den 1970er-Jahren, den die Arbeitsgruppe von 2025 in ihrer Übersicht aufführt: Bei 10 Milligramm pro Kilogramm, ebenfalls gespritzt und in einem anderen Versuchsaufbau als 2026, zeigten Mäuse aufgestelltes Fell, schnellere Atmung und stärkere Reaktion auf Berührung. Auch diese Menge erreichst du über ein Öl nie.

Eine praktische Frage ist immerhin geklärt. Die Untersuchung von 2025 prüfte die Haltbarkeit: Sowohl reines CBL als auch eine Verdünnung in MCT-Öl blieben drei Monate lang bei 25 bis 40 Grad chemisch stabil. Dein Öl verliert sein CBL also nicht im Schrank.

Medikamente, Schwangerschaft und Stillzeit

Cannabinoide werden in der Leber über die CYP450-Enzyme abgebaut, und über denselben Weg laufen viele Medikamente. Für CBL gibt es dazu keine einzige eigene Untersuchung. Wenn du regelmäßig Blutverdünner, Antidepressiva oder Antiepileptika nimmst, sprich vor einem Vollspektrum-Produkt mit deiner Ärztin oder deinem Apotheker. Welche Wechselwirkungen dabei eine Rolle spielen, ist für CBD gut beschrieben und ein sinnvoller Maßstab, solange CBL-Daten fehlen.

Bist du schwanger oder stillst du, gilt dieselbe Regel wie für alle Cannabinoide: nicht anwenden. Nicht weil ein Schaden belegt wäre, sondern weil das Gegenteil nicht belegt ist. Bei einem Stoff, zu dem null Humandaten existieren, ist Zurückhaltung keine Übervorsicht, sondern die einzig vertretbare Haltung.

Ist CBL in Deutschland legal?

Ja, CBL ist in Deutschland legal. Cannabicyclol steht weder im Betäubungsmittelgesetz noch im Konsumcannabisgesetz. Es taucht in keiner Anlage auf und in keiner Stoffliste. Strafbar machst du dich mit einem CBL-haltigen Nutzhanf-Öl also nicht.

Der Grund liegt in der Systematik: Verboten werden Stoffe mit Rauschwirkung und Missbrauchspotenzial, nicht Moleküle wegen ihrer Herkunft. CBL erfüllt beides nicht. Entscheidend ist deshalb nicht das Cannabinoid selbst, sondern der THC-Gehalt im fertigen Produkt, dieselbe Logik, nach der CBD in Deutschland legal ist.

Für Nutzhanfprodukte liegt die Grenze bei 0,3% THC. Wenn du ein Öl aus zertifiziertem EU-Nutzhanf kaufst, bleibst du darunter, meist deutlich. Unsere Vollspektrum-Öle liegen unter 0,05%, unsere Breitspektrum-Öle enthalten gar kein THC.

Und beim Drogentest?

Klassische Drogentests suchen nach THC und dessen Abbauprodukten, nicht nach CBL. Nimmst du ein Breitspektrum-Produkt ohne THC, kann es kein positives Ergebnis auslösen. Bei Vollspektrum-Ölen mit Spuren unter 0,05% ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr gering. Wenn du beruflich regelmäßig getestet wirst, ist die Breitspektrum-Variante trotzdem die ruhigere Wahl.

Warum es keine CBL-Isolate zu kaufen gibt

Rechtlich spricht nichts gegen ein reines CBL-Produkt, praktisch aber sehr viel. Isolierte Cannabinoide fallen in der EU unter die Novel-Food-Verordnung: Sie brauchen eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel, bevor sie als Nahrungsergänzung verkauft werden dürfen. Für die meisten Cannabinoide ruhen diese Verfahren seit Jahren. Zusammen mit dem Herstellungsaufwand erklärt das, warum du CBL im Handel nur als natürlichen Bestandteil eines Öls findest.

Häufige Fragen zu CBL

Macht CBL high?
Nein, CBL macht dich nicht high. Es bindet nur schwach an CB1, den Rezeptor, über den THC seine berauschende Wirkung entfaltet. In Bindungstests von 2025 und im Mausversuch von 2026 zeigte sich keine cannabistypische Rauschwirkung. Auch die Blockade von CB1 änderte an den beobachteten Effekten nichts.
Wie entsteht CBL?
CBL entsteht aus CBC, wenn Licht auf das Molekül trifft und es in eine feste Ringstruktur umklappt. Wärme und Lagerzeit beschleunigen das, deshalb ändert sich dein Öl über die Monate. In frisch geerntetem Hanf steckt kaum CBL, in deinem lange gelagerten Öl dagegen mehr.
Ist CBL in Vollspektrum-Öl enthalten?
Ja, in Spuren, sofern dein Öl Breit- oder Vollspektrum ist. Beide behalten das Cannabinoid-Profil der Pflanze, und dazu gehört CBL. Wie viel in deinem Öl steckt, hängt von Sorte, Erntezeitpunkt und Lagerung ab. Standard-Laboranalysen weisen CBL meist nicht aus, weil sie nur auf die gängigen Cannabinoide kalibriert sind.
Was ist der Unterschied zwischen CBL und CBN?
Beide sind Abbauprodukte, die du in gelagertem Hanf findest, aber mit verschiedenen Ausgangsstoffen. CBL entsteht aus CBC durch Licht, CBN aus THC durch Sauerstoff und Zeit. CBN wirkt schwach an CB1 und zeigte im Tierversuch in hohen Dosen THC-ähnliche Effekte, was du bei Schlafprodukten mit CBN wissen solltest.
Hat CBL Nebenwirkungen?
Zu CBL sind keine Nebenwirkungen beim Menschen beschrieben, weil es nie an Menschen wie dir untersucht wurde. Angaben wie Müdigkeit oder Schwindel, die du in Ratgebern findest, stammen aus Analogieschlüssen zu anderen Cannabinoiden, nicht aus Daten zu CBL. Über ein Öl nimmst du ohnehin nur Spuren auf.
Was ist CBLA?
CBLA ist die saure Vorstufe von CBL und entsteht aus Cannabichromensäure, wenn Licht darauf trifft. Wie alle sauren Cannabinoide wandelt sie sich unter Wärme in die neutrale Form um, also in das CBL, das du im Öl hast. Wirkungsdaten zu CBLA am Menschen gibt es bisher nicht.

Unser Fazit

Vom Randnotiz-Molekül zum Forschungsfall

Sechzig Jahre lang war CBL eine Fußnote. Innerhalb von dreizehn Monaten hat sich das geändert: Zwei Untersuchungen haben zwei eigenständige Wirkpfade beschrieben, einen am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A, einen am Adenosin-A2A-Rezeptor. Das ist ein echter Sprung, gemessen an einem Ausgangspunkt bei null. In deinem Badezimmerschrank ändert das noch nichts, wohl aber die Antwort auf die Frage, ob CBL bloß Beiwerk ist.

Gleichzeitig lohnt der nüchterne Blick. Beide Befunde stammen aus Zellkulturen und aus Mäusen, die Mengen bekamen, die über ein Öl niemand erreicht. Was CBL bei dir tut, weiß bis heute niemand, und die Forscher selbst schreiben das deutlicher als die meisten Meldungen darüber.

Praktisch bleibt CBL ein stiller Mitspieler. Du kaufst es nicht einzeln, du bekommst es mit, als natürlichen Bestandteil eines Öls mit vollem Pflanzenprofil. Wenn du darauf achtest, dass dein Öl das breite Cannabinoid-Spektrum mitbringt und dunkel steht, hast du alles getan, was sich heute sinnvoll tun lässt.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keinen Arztbesuch. CBD und andere Cannabinoide sind keine Medikamente und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen oder zu behandeln. In der Schwangerschaft, in der Stillzeit oder bei Dauermedikation sprich die Einnahme vorher mit deinem Arzt ab.

Medizinischer Haftungsausschluss
Studien und Quellen
  1. Korte F, Sieper H. (1964). Zur chemischen Klassifizierung von Pflanzen XXIV: Dünnschichtchromatographie von Haschisch-Inhaltsstoffen. Journal of Chromatography, 13(1), 90–98. doi.org/10.1016/S0021-9673(01)95077-0
  2. Crombie L, Ponsford R, Shani A, Yagnitinsky B, Mechoulam R. (1968). Hashish components. Photochemical production of cannabicyclol from cannabichromene. Tetrahedron Letters, 55, 5771–5772. doi.org/10.1016/s0040-4039(00)76346-5
  3. Begley MJ, Clarke DG, Crombie L, Whiting DA. (1970). The X-ray structure of dibromocannabicyclol. Journal of the Chemical Society D, 1547–1548. doi.org/10.1039/C29700001547
  4. Russo EB, Jiang HE, Li X, Sutton A, Carboni A, del Bianco F, et al. (2008). Phytochemical and genetic analyses of ancient cannabis from Central Asia. Journal of Experimental Botany, 59(15), 4171–4182. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19036842
  5. Martin P, Consroe P. (1976). Cannabinoid induced behavioral convulsions in rabbits. Science, 194(4268), 965–967. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/982057
  6. Haghdoost M, DePorre Y, Figi M, Young S, Krebs C, Bonn-Miller MO. (2025). An Unexpected Activity of a Minor Cannabinoid: Cannabicyclol (CBL) Is a Potent Positive Allosteric Modulator of Serotonin 5-HT1A Receptor. Journal of Natural Products, 88(1), 58–66. doi.org/10.1021/acs.jnatprod.4c00977
  7. Vanegas SO, Gamage TF, Maturano J, Sarlah D, Kinsey SG. (2026). Anti-inflammatory and analgesic potential of minor cannabinoids in vivo. Journal of Cannabis Research, 8, Artikel 40. doi.org/10.1186/s42238-025-00384-7
  8. Classen N, Pitakbut T, Schöfbänker M, Kühn J, Hrincius ER, Ludwig S, et al. (2024). Cannabigerol and cannabicyclol block SARS-CoV-2 cell fusion. Planta Medica. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39442532
  9. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). FAQ zu Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) & Co. bvl.bund.de
Dominik Martzy

Dominik Martzy

CBD-Fachautor

Dominik Martzy ist CBD-Fachautor mit Schwerpunkt auf Wirkung, Dosierung und Anwendungssicherheit. Er hat über 300 Fachartikel für CANNABY recherchiert und verfasst – anhand aktueller Studien, mit klarer Trennung zwischen gesichertem Wissen und offenen Fragen.