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Cannabicyclol (CBL): Das stillste Cannabinoid bekommt seinen Moment

Geschrieben von Dominik Martzy | Aktualisiert am 14.05.2026 | Lesezeit 7 min

CBL ist das wahrscheinlich vergessenste Cannabinoid der Hanfpflanze. Seit den 1960er-Jahren bekannt, jahrzehntelang kaum erforscht – und plötzlich, innerhalb von 13 Monaten, kommen zwei Studien heraus, die alles verändern. Cannabicyclol wirkt an einem Serotonin-Rezeptor und an einem Adenosin-Rezeptor – beide zentral für Stimmung, Stress, Schmerz und Entzündung. Das sind die ersten echten Wirkbefunde zu CBL seit 60 Jahren. Aufmerksamkeit hat es jetzt verdient.

Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Medizinisch geprüft

Dr. med. Wolfgang Furtlehner

Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde

Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.

DAS WICHTIGSTE IM ÜBERBLICK

  • CBL (Cannabicyclol) ist ein nicht-berauschendes Phytocannabinoid und entsteht aus CBC durch Licht und Zeit.
  • Zwei Studien aus 2025 und 2026 zeigen erstmals echte Wirkpfade: CBL wirkt am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A und am Adenosin-A2A-Rezeptor.
  • An den klassischen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 bindet CBL nur schwach – keine Rauschwirkung.
  • CBL kommt fast nur in gealtertem Hanf und Vollspektrum-CBD-Ölen vor – reine CBL-Produkte gibt es praktisch nicht.

Was CBL ist – kurz erklärt

CBL steht für Cannabicyclol – ein nicht-berauschendes Cannabinoid aus der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu THC, CBD oder CBC entsteht CBL aber nicht direkt aus CBGA, sondern erst später: durch den Abbau eines anderen Cannabinoids. Es ist damit ein Spätankömmling im Cannabinoid-Profil der Pflanze.

Entdeckt wurde CBL bereits 1964 von den deutschen Chemikern Friedrich Korte und Heinz Sieper. Sie hielten die Substanz zunächst für eine Variante von THC und nannten sie „THC III". Erst vier Jahre später, 1968, klärte ein Team um Raphael Mechoulam und Leslie Crombie die wahre Struktur auf – und gab CBL seinen heutigen Namen.

Trotz dieser frühen Entdeckung blieb CBL über Jahrzehnte ein blinder Fleck in der Cannabinoid-Forschung. Während THC, CBD und später CBC, CBG und CBN intensiv untersucht wurden, gab es zu CBL praktisch keine Wirkungsstudien. Das ändert sich gerade. Eine US-Studie aus Anfang 2025 hat erstmals gezeigt, dass CBL keineswegs eine pharmakologische Nebenrolle spielt – im Gegenteil.

In modernen Hanfsorten kommt CBL in sehr geringen Mengen vor, meist deutlich unter 1%. Höhere Konzentrationen findet man fast nur in gealtertem oder lange gelagertem Hanf – aus Gründen, die im nächsten Abschnitt klar werden.

Wie CBL entsteht – aus CBC, durch Licht und Zeit

CBL ist das einzige unter den großen Phytocannabinoiden, das nicht direkt aus der Pflanze produziert wird. Es entsteht erst, wenn ein anderes Cannabinoid umgewandelt wird: Cannabichromen (CBC). Genau diese ungewöhnliche Entstehung erklärt, warum CBL so selten ist – und warum es trotzdem in jahrhundertealten Hanfproben nachweisbar bleibt.

Bewiesen wurde dieser Mechanismus 1968 von Leslie Crombie und Raphael Mechoulam in einer der ersten Arbeiten zur Photochemie von Cannabinoiden. Sie zeigten, dass die Umwandlung CBC → CBL eine reine Lichtreaktion ist – ohne Wärme, ohne Enzyme, ohne Zellaktivität. Das macht CBL zu einem chemischen Zerfallsprodukt, nicht zu einem aktiv produzierten Cannabinoid.

Warum CBL vor allem in alten Pflanzen vorkommt

In frisch geernteten Hanfpflanzen ist der CBL-Gehalt verschwindend gering. Erst mit der Lagerung steigt er an – je länger das Material Licht ausgesetzt war, desto mehr CBC ist in CBL umgewandelt. Das gilt für getrocknete Blüten, Extrakte und auch für Hanfproben, die jahrelang in Sammlungen liegen.

Für Hersteller ist CBL deshalb eine Herausforderung: Wer hohe CBL-Konzentrationen will, muss entweder gezielt UV-Licht zur Umwandlung einsetzen oder das Pflanzenmaterial besonders lange lagern. Beides kostet Zeit oder Energie. Genau deshalb gibt es praktisch keine reinen CBL-Produkte auf dem Markt – der Aufwand lohnt sich kommerziell nicht.

Der archäologische Beweis – 2700 Jahre alte Cannabis-Probe aus China

Wie stabil CBL tatsächlich ist, zeigt ein ungewöhnlicher Fund: 2008 untersuchten Forscher um Ethan Russo eine 2700 Jahre alte Cannabis-Probe aus einem Grab in der Region Xinjiang in Westchina. Selbst nach fast drei Jahrtausenden Lagerung war in der Probe noch CBL nachweisbar. Andere Cannabinoide wie THC waren da längst zerfallen.

Das macht CBL zum wahrscheinlich stabilsten bekannten Cannabinoid. Während CBD nach Monaten an Wirksamkeit verliert und THC unter Lichteinfluss zu CBN abgebaut wird, übersteht CBL Jahrhunderte praktisch unverändert. Für die Forschung ist das spannend, weil es CBL als „End-Cannabinoid" markiert – am Ende einer langen Abbaureihe in der Hanfpflanze.

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Wie CBL wirkt – was wir wissen (und was nicht)

Die Wirkung von CBL ist über 60 Jahre lang ein offenes Rätsel geblieben. Erst seit Anfang 2025 gibt es die erste belastbare Wirkstudie – mit einem Ergebnis, das niemand so erwartet hatte. Was wir heute über CBL wissen, lässt sich auf drei Sätze verdichten: kaum Bindung an die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren, dafür starke Wirkung an einem Serotonin-Rezeptor, und das meiste weiter offen.

Schwache Bindung an CB1 und CB2

Wie viele nicht-berauschende Cannabinoide bindet CBL nur sehr schwach an die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Das wurde in der 2025er Studie über sogenannte Radioligand-Bindungstests bestätigt: Die Wechselwirkung war messbar, aber gering.

Praktisch heißt das: CBL macht nicht high. Es entsteht keine berauschende Wirkung, keine motorischen Einschränkungen, kein verändertes Bewusstsein. Anders als THC dockt CBL nicht stark genug an, um das Endocannabinoid-System direkt anzusprechen.

2025 als Wendepunkt – die 5-HT1A-Studie von Haghdoost und Bonn-Miller

Im Januar 2025 veröffentlichten Mehdi Haghdoost und Marcel Bonn-Miller im Journal of Natural Products eine Studie, die den Forschungsstand zu CBL grundlegend verändert hat. Das Team untersuchte CBL erstmals an einem Rezeptor, der bisher gar nicht im Fokus stand: dem Serotonin-Rezeptor 5-HT1A.

Das Ergebnis: CBL bindet mit hoher Affinität an 5-HT1A – und wirkt dort als positiver allosterischer Modulator. Vereinfacht heißt das: CBL aktiviert den Rezeptor nicht selbst stark, aber es verstärkt die Wirkung von körpereigenem Serotonin an dieser Stelle. Bei einer Konzentration von 4 Mikromol erhöhte CBL die durch Serotonin ausgelöste Rezeptoraktivität von 20% auf über 80%.

Das ist die erste echte Wirkstudie zu CBL seit der Entdeckung des Cannabinoids 1964. Und sie zeigt: CBL ist pharmakologisch alles andere als inaktiv.

Was der 5-HT1A-Rezeptor im Körper macht

Der 5-HT1A-Rezeptor ist einer der wichtigsten Serotonin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Er ist beteiligt an der Regulation von Stimmung, Stress, Angst, Schmerz und Schlaf. Genau dieser Rezeptor ist auch der Hauptangriffspunkt einer ganzen Klasse von Medikamenten – darunter Mittel gegen Depressionen und Angststörungen.

Bemerkenswert: Auch CBD wirkt teilweise über den 5-HT1A-Rezeptor – allerdings als direkter Agonist und nicht als Modulator. Beide Cannabinoide treffen also denselben Schaltpunkt, aber auf unterschiedliche Weise. Genau hier könnte sich in den kommenden Jahren ein eigener Forschungspfad öffnen.

2026 als Beweis im Tiermodell – die Kinsey-Studie

Im Februar 2026 erschien im Journal of Cannabis Research die zweite große CBL-Studie – diesmal mit einem entscheidenden Unterschied: Es war die erste In-vivo-Untersuchung von CBL überhaupt. Das Team um Steven Kinsey von der University of Connecticut prüfte CBL an Mäusen und identifizierte einen zweiten, völlig neuen Wirkpfad: den Adenosin-A2A-Rezeptor.

CBL aktivierte diesen Rezeptor und löste damit messbare Effekte aus – darunter eine leichte Senkung der Körpertemperatur und reduzierte Bewegung. Beides ließ sich gezielt blockieren, sobald die Forscher einen A2A-Hemmer einsetzten. Damit ist klar: CBL ist ein echter Adenosin-A2A-Agonist im lebenden Organismus.

Noch wichtiger sind die Wirkungen auf Schmerz und Entzündung. CBL reduzierte bei den Mäusen sowohl entzündliche Schwellungen als auch Schmerzsignale bei neuropathischen Reizen – beides wichtige Modelle für chronische Schmerzzustände. Die Wirkung lief nicht über die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren, sondern eigenständig über den A2A-Pfad.

Damit hat CBL innerhalb von 13 Monaten zwei eigenständige Wirkmechanismen bekommen, die jahrzehntelang unbekannt waren: 5-HT1A für Serotonin-Modulation, A2A für Schmerz und Entzündung.

Was das praktisch bedeutet – und was noch nicht

So spannend die Befunde sind: Sie stammen aus Zell-Experimenten, nicht aus dem Menschen. Was CBL bei oraler Aufnahme tatsächlich im Körper auslöst, wie hoch eine wirksame Dosis ist und ob sich die Effekte am 5-HT1A-Rezeptor in spürbare Wirkungen auf Stimmung oder Stress übersetzen lassen – all das ist noch offen.

Realistisch gesehen ist die 2025er Studie ein Startsignal, nicht das Ende der Forschung. CBL hat über Nacht eine neue Relevanz bekommen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie groß diese Relevanz wirklich ist.

Rezeptor
Funktion im Körper
Wirkung von CBL
CB1
Funktion:Bewusstsein, Motorik, Rauschwirkung
Wirkung:Schwache Bindung – kein berauschender Effekt
CB2
Funktion:Immunsystem, Entzündungsregulation
Wirkung:Nur geringe Aktivität messbar
5-HT1A
Funktion:Stimmung, Stress, Angst, Schlaf
Wirkung:Hohe Affinität – positiver allosterischer Modulator (Haghdoost 2025)
Adenosin A2A
Funktion:Schmerzregulation, Entzündung, Körpertemperatur
Wirkung:Aktivierung – schmerz- und entzündungshemmende Effekte (Kinsey 2026)

CBL im Vergleich zu CBD, CBC und CBN

CBL ist eines der unauffälligsten Cannabinoide – aber gerade im Vergleich mit drei verwandten Cannabinoiden wird klar, was es einzigartig macht. CBL, CBN und CBC haben einen gemeinsamen Stammbaum: Alle drei sind eng miteinander verbunden, und zwei davon entstehen erst durch den Abbau eines anderen Cannabinoids.

CBL und CBC – Mutter und Kind

Die Beziehung zwischen CBL und CBC ist die engste in der ganzen Cannabinoid-Familie. CBL entsteht ausschließlich aus CBC – durch UV-Licht und Zeit. Man kann sich das vorstellen wie zwei Lebensphasen desselben Moleküls: CBC ist die aktive, junge Form, CBL die stabile, alte. Während CBC entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt, sitzt CBL auf einem ganz anderen Wirkpfad – am Serotonin-Rezeptor.

CBL und CBN – die Abbauprodukt-Cousins

CBN (Cannabinol) hat eine ähnliche Geschichte wie CBL, nur dass es nicht aus CBC, sondern aus THC entsteht. Wenn THC-haltiger Hanf lange gelagert wird oder Sauerstoff abbekommt, zerfällt das THC – und dabei entsteht CBN. Beide Cannabinoide sind also keine aktiv produzierten Pflanzenstoffe, sondern natürliche Abbauprodukte. Beide gelten als nicht-berauschend, beide kommen vor allem in gealtertem Hanf vor.

CBL und CBD – zwei Wege zum selben Rezeptor

Die spannendste Parallele zieht die 2025er Studie selbst: Sowohl CBL als auch CBD wirken am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A – aber auf unterschiedliche Weise. CBD bindet direkt als schwacher Agonist, CBL verstärkt die Wirkung von körpereigenem Serotonin als Modulator. In Zukunft könnte sich die Forschung dafür interessieren, ob beide Cannabinoide kombiniert stärker wirken als jedes allein.

Alle vier Cannabinoide im direkten Überblick

Cannabinoid
Entstehung
Rausch?
Hauptrezeptor
Typische Effekte
CBL
Entstehung:Abbau von CBC durch UV-Licht und Zeit
Rausch?:Nein
Rezeptor:5-HT1A, Adenosin A2A
Effekte:Serotonin-Modulation, schmerz- und entzündungshemmend
CBC
Entstehung:Aktiv aus CBGA über Enzyme produziert
Rausch?:Nein
Rezeptor:TRPV1, TRPA1, FAAH
Effekte:Entzündungshemmend, schmerzlindernd, Hautwirkung
CBN
Entstehung:Abbau von THC durch Sauerstoff und Zeit
Rausch?:Nein
Rezeptor:CB2 (schwach), CB1 (sehr schwach)
Effekte:Beruhigend, schlaffördernd, sedierend in Kombination
CBD
Entstehung:Aktiv aus CBGA über Enzyme produziert
Rausch?:Nein
Rezeptor:5-HT1A, TRPV1, PPARγ
Effekte:Entspannung, Schlaf, Stressabbau, entzündungshemmend

Wo CBL in der Praxis vorkommt

Wer CBL gezielt nutzen will, stößt schnell auf ein Problem: Es gibt praktisch keine reinen CBL-Produkte auf dem Markt. Das liegt nicht an einer rechtlichen Hürde, sondern an der Natur des Cannabinoids selbst. CBL begegnet dir in der Praxis fast ausschließlich als natürlicher Bestandteil von Vollspektrum-CBD-Ölen.

In Vollspektrum-Ölen – als natürlicher Bestandteil

Vollspektrum-CBD-Öle enthalten das komplette Cannabinoid-Profil der Hanfpflanze – nicht nur CBD, sondern auch CBC, CBG, CBN, Terpene und in kleinen Mengen CBL. Wie viel CBL drin ist, hängt von der Sorte, der Reife der Pflanze und der Lagerdauer ab. In manchen Ölen ist es nur in Spuren nachweisbar, in anderen etwas reichlicher.

Genau das ist der Punkt, an dem CBL strategisch interessant wird: Du musst es nicht gezielt suchen, du bekommst es einfach mit. Im Zusammenspiel mit allen anderen Cannabinoiden trägt CBL zum sogenannten Entourage-Effekt bei – jenem Phänomen, bei dem die einzelnen Wirkstoffe gemeinsam stärker wirken als jeder allein.

Kein eigenes CBL-Produkt – warum nicht?

Reine CBL-Isolate werden in Forschungslaboren hergestellt, sind aber kommerziell praktisch nicht verfügbar. Der Grund liegt in der Wirtschaftlichkeit: Die Umwandlung von CBC zu CBL braucht entweder lange Lagerung oder gezielte UV-Bestrahlung – beides ist aufwendig. Hinzu kommt: Solange die klinische Forschung zu CBL erst am Anfang steht, gibt es keinen großen Markt für isolierte Produkte.

Das könnte sich in den kommenden Jahren ändern. Wenn die 5-HT1A-Befunde in klinischen Studien bestätigt werden, dürften erste CBL-spezifische Produkte folgen. Aktuell ist der praktische Weg zu CBL aber der gleiche wie bei CBC: über ein gutes Vollspektrum-CBD-Öl.

Was du beim Kauf eines Vollspektrum-Öls beachten solltest

Wenn du CBL als Teil eines breit aufgestellten Cannabinoid-Profils nutzen willst, kommt es vor allem auf die Qualität des Vollspektrum-Öls an. Ein hochwertiges Produkt erkennst du an einer offenen Laboranalyse, die nicht nur CBD und THC dokumentiert, sondern auch die Nebencannabinoide wie CBC, CBG, CBN und idealerweise CBL.

Die Herkunft sollte aus EU-zertifiziertem Nutzhanf stammen, am besten aus Bio-Anbau – das spricht für sauberes Pflanzenmaterial. Bei der Extraktion gilt die CO₂-Methode als der sauberste Standard. Sie schont die Cannabinoide und vermeidet Lösungsmittelrückstände. Beim Trägeröl haben sich MCT-Öl oder Hanfsamenöl bewährt – beide sind gut verträglich und unterstützen die Aufnahme über die Mundschleimhaut.

Zur Anwendung: Ein paar Tropfen unter die Zunge geben und etwa 60 Sekunden einwirken lassen. So gelangen die Cannabinoide – inklusive CBL – direkt in den Blutkreislauf.

CBL in der Praxis

CBL steckt natürlich in unseren Vollspektrum-Ölen

Reine CBL-Produkte gibt es kaum – und wenn CBL wirklich seine Wirkung entfaltet, dann im Zusammenspiel mit anderen Cannabinoiden. In unseren Breit- oder Vollspektrum-CBD-Ölen aus Schweizer Bio-Hanf bleibt das ganze Profil der Pflanze erhalten – CBD, CBC, CBG, CBN und CBL inklusive.

Zu unseren CBD-Ölen

Sicherheit – was bisher bekannt ist

CBL gilt nach allem, was wir wissen, als nicht-berauschend und in normalen Dosen unproblematisch. Aber die ehrliche Antwort lautet auch: Es gibt zu CBL praktisch keine modernen Sicherheitsdaten am Menschen. Was wir wissen, stammt entweder aus chemischen Strukturarbeiten oder aus einzelnen, sehr alten Tierversuchen.

Was die Forschung bisher gezeigt hat

Die einzige direkte Tier-Studie zu CBL stammt aus dem Jahr 1976 und wurde an Kaninchen durchgeführt. Bei niedrigen Dosen zeigte CBL keine messbaren Effekte. Bei sehr hohen Dosen traten Nebenwirkungen auf – allerdings mit so wenigen Tieren, dass die Aussagekraft heute als gering eingestuft wird. Die Studie 2025 von Haghdoost und Bonn-Miller hat darüber hinaus die chemische Stabilität von CBL bestätigt: Sowohl die reine Substanz als auch eine Verdünnung in MCT-Öl blieben über drei Monate bei Temperaturen zwischen 25 und 40 Grad stabil.

Praktisch betrachtet: Wer CBL als Teil eines Vollspektrum-CBD-Öls aufnimmt, nimmt nur Spuren auf – Mengen, die deutlich unter denen liegen, die in Studien überhaupt geprüft wurden.

Was bei Wechselwirkungen zu beachten ist

CBL wird wie andere Cannabinoide in der Leber über CYP450-Enzyme verstoffwechselt. Theoretisch sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich, die denselben Stoffwechselweg nutzen – etwa Blutverdünner, Antidepressiva oder Antiepileptika. Klinische Daten speziell zu CBL fehlen hier vollständig.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb vor dem Einsatz CBL-haltiger Vollspektrum-Produkte mit dem Arzt oder Apotheker sprechen. In Schwangerschaft und Stillzeit gilt das gleiche Prinzip wie bei CBD und allen anderen Cannabinoiden: Aus Mangel an Daten ist von der Anwendung abzuraten.

Ist CBL in Deutschland legal?

Ja, CBL ist in Deutschland legal. Cannabicyclol steht weder im Betäubungsmittelgesetz noch im neuen Konsumcannabisgesetz (KCanG). Wie bei CBD und CBC entscheidet nicht das Cannabinoid selbst über die Legalität, sondern der THC-Gehalt im fertigen Produkt.

Was rechtlich gilt

Seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes im April 2024 dürfen Nutzhanfprodukte einen THC-Gehalt von bis zu 0,3% aufweisen. CBL-haltige Vollspektrum-CBD-Öle aus EU-zertifiziertem Nutzhanf erfüllen diese Vorgabe – in den meisten liegt der THC-Wert sogar weit darunter. Bei unseren Cannaby-Vollspektrum-Ölen liegt er beispielsweise unter 0,05%.

CBL ist nicht psychoaktiv. Es löst keinen Rauschzustand aus und fällt deshalb nicht unter die strengeren Regelungen für berauschende Cannabisprodukte. Aus rechtlicher Sicht steht es damit auf einer Stufe mit CBD, CBC oder CBG.

Was bei Drogentests zu erwarten ist

Klassische Drogentests reagieren auf THC, nicht auf CBL. Bei Breitspektrum-Produkten ohne THC ist deshalb kein positiver Test zu erwarten. Bei Vollspektrum-Ölen mit minimalen THC-Spuren ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr gering – wer aber regelmäßig Drogentests absolviert, greift im Zweifel zur Breitspektrum-Variante.

Reine CBL-Produkte und Novel Food

Theoretisch wären isolierte CBL-Produkte in Deutschland verkaufsfähig, würden aber unter die EU-Novel-Food-Verordnung fallen. Hersteller müssten dafür eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel beantragen – ein Verfahren, das aktuell für die meisten isolierten Cannabinoide pausiert ist. Praktisch heißt das: Reine CBL-Isolate findest du im deutschen Handel nicht. CBL begegnet dir nur als Bestandteil von Vollspektrum-Ölen, die als Aroma- oder Pflegeöle vertrieben werden.

Häufige Fragen zu CBL

Macht CBL high?
Nein, CBL ist nicht psychoaktiv. Es bindet nur sehr schwach an den CB1-Rezeptor, der für die berauschende Wirkung von THC verantwortlich ist. Du kannst CBL-haltige Vollspektrum-Öle nutzen, ohne dass dein Bewusstsein oder deine Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen CBL und CBD?
Beide Cannabinoide sind nicht-berauschend und wirken am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A – allerdings auf unterschiedliche Weise. CBD bindet direkt als schwacher Agonist, CBL verstärkt die Wirkung von körpereigenem Serotonin als Modulator. Während CBD in vielen Studien gut erforscht ist, steht die CBL-Forschung erst am Anfang.
Wie entsteht CBL in der Hanfpflanze?
CBL wird nicht direkt aus der Pflanze produziert. Es entsteht erst, wenn Cannabichromen (CBC) ultraviolettem Licht ausgesetzt wird. Aus diesem Grund findet sich CBL vor allem in gealtertem oder lange gelagertem Hanf – in frischem Pflanzenmaterial ist es kaum nachweisbar.
Wo kann ich CBL kaufen?
Reine CBL-Produkte gibt es in Deutschland praktisch nicht zu kaufen. CBL findest du als natürlichen Bestandteil hochwertiger Vollspektrum- oder Breitspektrum-CBD-Öle – dort wirkt es im Verbund mit anderen Cannabinoiden wie CBD, CBC, CBG und CBN.
Ist CBL in Deutschland legal?
Ja, CBL ist legal. Es steht weder im Betäubungsmittelgesetz noch im Konsumcannabisgesetz. Voraussetzung für legale CBL-haltige Produkte ist, dass der THC-Gehalt unter 0,3% bleibt – seit dem Cannabisgesetz 2024 der geltende Grenzwert für Nutzhanf-Produkte.
Welche Nebenwirkungen hat CBL?
Direkte Daten zu Nebenwirkungen von CBL beim Menschen sind sehr selten. Bei den Mengen, in denen CBL als Teil von Vollspektrum-CBD-Ölen aufgenommen wird, sind keine spezifischen Nebenwirkungen bekannt. Wer Medikamente einnimmt, sollte vor dem Einsatz CBL-haltiger Produkte mit Arzt oder Apotheker sprechen.
Was sagen die neuen CBL-Studien aus 2025 und 2026?
Die Studie von Haghdoost und Bonn-Miller (Januar 2025) zeigt, dass CBL als potenter Modulator am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A wirkt – relevant für Stimmung und Stress. Die Studie von Kinsey und Kollegen (Februar 2026) ist die erste Untersuchung von CBL im Tiermodell und identifiziert einen zweiten Wirkpfad: den Adenosin-A2A-Rezeptor, über den CBL schmerz- und entzündungshemmend wirkt.

Unser Fazit zu CBL – das vergessene Cannabinoid wacht auf

Cannabicyclol gehört zu den unbekanntesten Cannabinoiden überhaupt – und genau das ändert sich gerade. Innerhalb von 13 Monaten haben zwei Studien zwei eigenständige Wirkpfade von CBL aufgedeckt: am Serotonin-Rezeptor 5-HT1A für Stimmung und Stress, am Adenosin-A2A-Rezeptor für Schmerz und Entzündung. Beide Befunde stammen aus Labor- und Tiermodellen, klinische Studien am Menschen stehen noch aus – aber das Forschungsbild zu CBL ist heute ein völlig anderes als vor zwei Jahren.

In der Praxis bleibt CBL ein stiller Mitspieler: Du findest es nicht als eigenes Produkt, sondern als natürlichen Bestandteil hochwertiger Breit- und Vollspektrum-CBD-Öle. Genau dort entfaltet es seine Wirkung gemeinsam mit den anderen Cannabinoiden – als Teil des vielleicht spannendsten Cannabinoid-Profils, das die Hanfpflanze bereithält.

Medizinischer Haftungsausschluss

Studien und Quellen
  1. Korte F, Sieper H. (1964). Zur chemischen Klassifizierung von Pflanzen. XXIV. Untersuchung von Haschisch-Inhaltsstoffen durch Dünnschicht-Chromatographie. Journal of Chromatography, 13, 90–98. doi.org/10.1016/S0021-9673(01)95077-0
  2. Claussen U, von Spulak F, Korte F. (1968). Haschisch. XIV. Zur Kenntnis der Inhaltsstoffe des Haschisch. Tetrahedron, 24(2), 1021–1027. Strukturaufklärung und Namensgebung „Cannabicyclol".
  3. Crombie L, Ponsford R, Shani A, Yagnitinsky B, Mechoulam R. (1968). Hashish components. Photochemical production of cannabicyclol from cannabichromene. Tetrahedron Letters, 9(55), 5771–5772. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/5697175
  4. Russo EB, Jiang H-E, Li X, Sutton A, Carboni A, del Bianco F, et al. (2008). Phytochemical and genetic analyses of ancient cannabis from Central Asia. Journal of Experimental Botany, 59(15), 4171–4182. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19036842
  5. Pollastro F, Caprioglio D, Del Prete D, Rogati F, Minassi A, Taglialatela-Scafati O, Munoz E, Appendino G. (2018). Cannabichromene. Natural Product Communications, 13(9), 1934578X1801300922. doi.org/10.1177/1934578X1801300922
  6. Haghdoost M, DePorre Y, Figi M, Young S, Krebs C, Bonn-Miller MO. (2025). An Unexpected Activity of a Minor Cannabinoid: Cannabicyclol (CBL) Is a Potent Positive Allosteric Modulator of Serotonin 5-HT1A Receptor. Journal of Natural Products, 88(1), 58–66. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39811943
  7. Kinsey SG, et al. (2026). Anti-inflammatory and analgesic potential of minor cannabinoids in vivo. Journal of Cannabis Research, 8(1), 40. Erste In-vivo-Studie zu CBL; identifiziert CBL als Adenosin-A2A-Agonist mit anti-inflammatorischer und schmerzlindernder Wirkung. doi.org/10.1186/s42238-025-00384-7
Dominik Martzy
Dominik Martzy

Dominik Martzy ist CBD-Fachautor mit Schwerpunkt auf Wirkung, Dosierung und Anwendungssicherheit. Er hat über 300 Fachartikel für CANNABY recherchiert und verfasst – anhand aktueller Studien, mit klarer Trennung zwischen gesichertem Wissen und offenen Fragen. Alle Inhalte werden regelmäßig überprüft und bei neuen Erkenntnissen aktualisiert.

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