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CBD bei Autismus und Asperger: Wirkung, Studien und Anwendung

Geschrieben von Dominik Martzy | Aktualisiert am 09.05.2026 | Lesezeit 8 min

Ein Wutanfall am Abendbrottisch, Stunden Wachliegen vor dem Einschlafen, der Supermarkt voller Reize, die zu viel werden – wenn du selbst im Autismus-Spektrum bist oder dein Kind, kennst du diese Momente. CBD taucht in vielen Foren als sanfte Unterstützung auf, und immer mehr Betroffene und Familien probieren es als Ergänzung zur klassischen Therapie. Ob es wirklich hilft, hängt von Erwartung, Dosierung und Begleitsituation ab – und davon, dass du dich nicht von Heilversprechen blenden lässt.

Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Medizinisch geprüft

Dr. med. Wolfgang Furtlehner

Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde

Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.

DAS WICHTIGSTE IM ÜBERBLICK

  • CBD kann Begleitsymptome wie innere Unruhe, Reizüberflutung, Schlafprobleme und Wutanfälle bei Autismus lindern – Kernsymptome heilt es nicht.
  • Aktuelle Studien (Hacohen 2022, Aran 2019, Bilge 2021) zeigen Verbesserungen bei sozialer Kommunikation, Angst und Schlaf bei autistischen Kindern.
  • CBD wirkt über das Endocannabinoid-System und kann das überreizte Nervensystem dabei unterstützen, herunterzufahren.
  • Bei Kindern nur THC-freies Breit- oder Vollspektrum-Öl, niedrigste Dosis, immer mit dem Kinderarzt absprechen.

Autismus heute verstehen

Autismus ist eine angeborene Variante der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung – kein Defekt, sondern eine andere Art, wie das Nervensystem Reize und soziale Signale verarbeitet. Medizinisch spricht man heute von der Autismus-Spektrum-Störung (ASS), weil die Ausprägung von Person zu Person stark variiert. Manche Menschen im Spektrum führen ein weitgehend selbstständiges Leben, andere brauchen viel Unterstützung im Alltag.

Den früheren Begriff Asperger-Syndrom gibt es als eigenständige Diagnose seit der ICD-11 (2022) nicht mehr. Was vorher als „Asperger" galt – also Autismus ohne verzögerte Sprachentwicklung – fällt heute in den leichteren Bereich des Spektrums (Schweregrad 1). In der Community wird der Begriff aber weiterhin verwendet, weil viele Menschen sich darüber identifizieren.

Was den Alltag im Spektrum oft belastet, sind weniger die Kernmerkmale selbst als die Begleitsymptome: Reizüberflutung in lauten Umgebungen, Meltdowns oder Shutdowns nach zu vielen Eindrücken, Einschlaf- und Durchschlafprobleme, innere Unruhe, soziale Ängste oder Wutanfälle. Dazu kommen häufig Begleitdiagnosen wie ADHS, Schlafstörungen, Angststörungen oder bei rund einem Drittel der Betroffenen auch Epilepsie. Genau an diesen Begleitsymptomen setzt das Interesse an CBD an.

Ein kleiner Junge verdeckt sein Gesicht bis auf sein rechtes Auge

Wie CBD im autistischen Nervensystem wirkt

CBD wirkt über das Endocannabinoid-System – ein körpereigenes Regulationsnetzwerk, das Stimmung, Schlaf, Stressreaktion, Reizverarbeitung und neuronale Kommunikation mitsteuert. Bei autistischen Menschen funktioniert dieses System nachweislich anders. Studien zeigen, dass viele Betroffene niedrigere Werte des körpereigenen Botenstoffs Anandamid haben – jenes Endocannabinoids, das normalerweise für Wohlbefinden, soziale Bindung und ein ausgeglichenes Nervensystem sorgt.

CBD bremst den Abbau von Anandamid und sorgt so dafür, dass mehr davon im Körper zirkuliert. Das beruhigt das überreizte System – nicht durch eine künstliche Sedierung wie bei Beruhigungsmitteln, sondern durch eine sanfte Regulation auf zellulärer Ebene. Eine US-Studie aus dem Jahr 2015 zeigte zusätzlich, dass die Aktivierung des CB1-Rezeptors mit der Ausschüttung von Oxytocin verbunden ist, dem Bindungs- und Vertrauenshormon, das soziale Begegnungen leichter machen kann.

Für den Alltag heißt das: CBD wirkt dort, wo bei vielen autistischen Menschen das Ungleichgewicht sitzt – im Stresssystem, bei der Reizfilterung und im Schlaf. Heilen kann es nichts. Aber es kann den Hintergrundlärm im Kopf leiser drehen, sodass laute Umgebungen, soziale Situationen und das Einschlafen nicht mehr so überfordernd wirken.

Kleiner Junge liegt am Boden und hält eine Tablette in der Hand

Was Studien wirklich zeigen

Die wichtigsten Untersuchungen kommen aus Israel, der Türkei und Brasilien – Ländern, in denen medizinisches Cannabis bei Kindern früher zugelassen wurde. Über die letzten Jahre hinweg zeigen sie ein klares Muster: Eltern berichten in fast allen Beobachtungsstudien von Verbesserungen bei Wutanfällen, Schlaf, Angst und Kommunikation. Die Quoten liegen je nach Studie zwischen 60 und über 80 Prozent.

Wichtig zu wissen: Die meisten dieser Studien sind sogenannte offene Beobachtungsstudien – ohne Placebogruppe, mit Bewertung durch die Eltern. Das macht sie wertvoll für die Praxis, ist aber nicht der höchste wissenschaftliche Standard. Die zwei bisher veröffentlichten placebokontrollierten Studien (Aran 2021, Silva 2022) zeichnen ein differenzierteres Bild: Aran fand keinen klaren Vorteil von CBD gegenüber Placebo bei den Kernsymptomen, wohl aber Hinweise auf weniger Verhaltensauffälligkeiten. Silva sah Verbesserungen bei der sozialen Interaktion und der Reizbarkeit.

Was das für dich heißt: CBD ist wissenschaftlich besser belegt für Begleitsymptome wie Schlaf, Angst und Wutanfälle als für die Kernmerkmale des Autismus selbst. Realistisch erwarten kannst du Verbesserungen im Alltag – kein Verschwinden der ASS.

Studie Teilnehmer Wichtigstes Ergebnis
Bar-Lev Schleider et al. (2019) 188 Kinder mit ASS, 6 Monate Beobachtung Über 80% verbesserten sich bei Wutanfällen, Schlaf, innerer Unruhe und Angst.
Aran et al. (2019) 60 Kinder mit ASS, retrospektiv 61% deutlich weniger Wutanfälle, bei 47% bessere Kommunikation und weniger Angst.
Aran et al. (2021) 150 Kinder & Jugendliche, RCT (placebokontrolliert) Kein klarer Vorteil gegenüber Placebo bei Kernsymptomen, aber Hinweise auf weniger Verhaltensauffälligkeiten.
Silva et al. (2022) 60 Kinder mit ASS, RCT (placebokontrolliert) Bessere soziale Interaktion, weniger Agitation und ausgeglichenere Essgewohnheiten.

Bei welchen Beschwerden Eltern und Betroffene CBD einsetzen

Die Felder, in denen CBD bei Autismus erfahrungsgemäß am meisten bringt, decken sich mit den belastendsten Begleitsymptomen.

Bei Schlafproblemen beginnen viele Eltern mit CBD. Autistische Kinder finden abends schwer zur Ruhe – der Tag mit all seinen Reizen klingt nicht nach. Ein paar Tropfen CBD-Öl rund eine Stunde vor dem Schlafen können den Schalter umlegen. Erwachsene im Spektrum berichten Ähnliches: weniger Gedankenkreisen, leichteres Einschlafen.

Reizüberflutung und Meltdowns sind das zweite große Thema. Lärm, helle Lichter, Menschenmengen können das Fass zum Überlaufen bringen. CBD wirkt hier nicht akut wie ein Notfallmittel, kann aber regelmäßig genommen den Reizpegel insgesamt absenken. Viele Eltern berichten, dass ihr Kind länger durchhält, bevor es überreizt ist.

Innere Unruhe und Stress kennen vor allem Erwachsene im Spektrum gut – das ständige Gefühl unter Strom zu stehen, das Maskieren in sozialen Situationen, der Erschöpfungszustand danach. CBD kann den Grundton herunterregeln und so soziale Situationen, Bewerbungsgespräche oder Schultage erträglicher machen.

Wutanfälle und Aggression zeigen in den israelischen Studien die deutlichsten Effekte. Solche Ausbrüche sind oft das Ergebnis einer Situation, die nicht mehr geregelt werden kann. CBD scheint die Schwelle nach oben zu verschieben und die Schärfe der Ausbrüche zu mildern.

Was CBD nicht leistet: Es ersetzt keine Therapie, keine Verhaltensanpassung, keinen geschützten Reizrahmen. Es funktioniert als Ergänzung, nicht als Ersatz.

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Dosierung bei Autismus

Erste Regel: Niedrig anfangen und langsam steigern. Eine zu hohe Anfangsdosis kann zu Müdigkeit oder Magenbeschwerden führen – beides verschwindet, sobald die Dosis reduziert wird, hat aber den ersten Versuch oft schon zerstört.

Bewährter Startpunkt bei Kindern: 0,5 mg CBD pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf zwei bis drei Gaben am Tag. Bei einem 20-kg-Kind sind das also rund 10 mg täglich. Erwachsene beginnen meist mit 10 bis 20 mg pro Tag und passen nach Wirkung an. Eine Woche Beobachtung pro Dosisstufe ist sinnvoll, bevor erhöht wird.

Anwendung: Die CBD Tropfen unter die Zunge geben und etwa 60 Sekunden einwirken lassen. Über die Mundschleimhaut nimmt der Körper das CBD am schnellsten auf. Bei Kindern, die das nicht akzeptieren, kannst du die Tropfen auch in einen Löffel Honig oder Joghurt geben – die Wirkung tritt dann etwas später ein, dafür ist die Akzeptanz höher.

Welches Öl? Für die Einstiegsdosis ist ein 5%-iges CBD Öl ideal – ein Tropfen enthält 2,5 mg CBD und macht Feinjustierung leicht. Bei höherem Bedarf lohnt der Wechsel auf 10% oder 15%, um die Tropfenanzahl überschaubar zu halten.

Eine konkrete Empfehlung für dein Gewicht, deine Stärke und deinen Anwendungsbereich liefert dir der CBD Öl Dosierungsrechner in wenigen Klicks.

Körpergewicht Startdosis pro Tag Tropfen 5% Öl (2,5 mg/Tropfen)
15 kg 7,5 mg 3 Tropfen, verteilt auf 2–3 Gaben
20 kg 10 mg 4 Tropfen, verteilt auf 2–3 Gaben
30 kg 15 mg 6 Tropfen, verteilt auf 2–3 Gaben
50 kg 25 mg 10 Tropfen, verteilt auf 2–3 Gaben
Erwachsene (ab 60 kg) 10–20 mg 4–8 Tropfen, verteilt auf 2 Gaben

Startwerte nach 0,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Steigerung in Wochenschritten nach Wirkung. Bei Kindern immer in Absprache mit dem Kinderarzt.

CBD bei Kindern – was Eltern wissen müssen

CBD Öl für Kinder ist legal und in Deutschland frei verkäuflich, aber bei autistischen Kindern gelten ein paar Regeln, die du nicht ignorieren solltest.

Nur THC-frei. Für Kinder kommt ausschließlich Breit- oder Vollspektrum mit unter 0,05% THC infrage. Vollspektrum-Öle aus dem deutschen Handel liegen rechtlich bei maximal 0,3% THC – das ist für Erwachsene unbedenklich, bei Kindern aber zu hoch. Achte auf die Bezeichnung „THC-frei" oder „Breitspektrum" sowie ein Analysezertifikat, das den THC-Gehalt nachweist.

Kinderarzt einbeziehen. Auch wenn CBD nicht verschreibungspflichtig ist – bei einer ASS-Diagnose oder regelmäßiger Medikation gehört der Versuch in ärztliche Hand. Nicht jeder Pädiater hat Erfahrung mit CBD, in dem Fall lohnt der Weg zu einer kinderpsychiatrischen Praxis oder einer auf Cannabinoide spezialisierten Anlaufstelle.

Mögliche Nebenwirkungen. CBD wird laut WHO-Bericht insgesamt gut vertragen. Wenn Nebenwirkungen auftreten, sind sie meist mild und kurzfristig: Müdigkeit, leichter Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden, Appetitveränderungen oder etwas Reizbarkeit in der ersten Anwendungswoche. Diese Effekte zeigen sich vor allem bei zu hoher Anfangsdosis und verschwinden in der Regel nach ein paar Tagen Dosisreduktion. Schwere oder anhaltende Nebenwirkungen sind in den Studien zu Autismus nicht beschrieben worden.

Wechselwirkungen ernst nehmen. CBD wird in der Leber über das Enzym CYP3A4 verstoffwechselt – genau wie viele Psychopharmaka. Das kann den Wirkspiegel anderer Medikamente verändern. Bei diesen Wirkstoffgruppen sind die Wechselwirkungen besonders relevant:

• Risperidon und Aripiprazol (häufig bei Reizbarkeit verschrieben): CBD kann den Blutspiegel anheben
 SSRIs wie Fluoxetin oder Sertralin: stärkere Müdigkeit und ausgeprägtere Nebenwirkungen möglich
• Methylphenidat (Ritalin): unklare Wechselwirkung, ärztliche Begleitung wichtig
• Antiepileptika wie Valproat oder Clobazam: erhöhte Spiegel, regelmäßige Blutkontrolle nötig

Niemals eigenständig absetzen. Wenn dein Kind unter Medikation steht, wird CBD ergänzt – nicht ersetzt. Veränderungen an der Hauptmedikation entscheidet immer der behandelnde Arzt.

Auf Veränderungen achten. Anders als Erwachsene können Kinder oft schwer beschreiben, was sich verändert hat. Ein einfaches Tagebuch über zwei bis drei Wochen – Schlafdauer, Wutanfälle, Ruhephasen, Schultag – macht die Wirkung sichtbar.

Was CBD nicht kann

So vielversprechend die Studienlage in einigen Bereichen aussieht – ein paar Dinge muss CBD nicht leisten, weil es das schlicht nicht kann.

CBD heilt Autismus nicht. Die ASS bleibt eine angeborene Variante des Nervensystems, daran ändert auch das beste Öl nichts. Was CBD verändern kann, sind Begleitsymptome – nicht die zugrundeliegende neurologische Verdrahtung.

CBD ersetzt keine Therapie. Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Logopädie und ein autismusgerechtes Umfeld sind die Bausteine, die langfristig den Alltag tragen. CBD kann diesen Prozess sanft begleiten, indem es die Reizbelastung senkt – aber es ersetzt keinen einzigen Therapietermin.

In akuten Krisensituationen ist CBD das falsche Mittel. Wenn ein Meltdown im Gange ist, wirkt CBD nicht schnell genug, um zu beruhigen. Hier helfen Reizreduktion, ein sicherer Rückzugsort und Routinen, die dein Kind kennt. Bei wiederkehrenden Selbst- oder Fremdgefährdungen gehört die Situation in akute psychiatrische Behandlung.

Langzeitdaten zur Wirkung von CBD auf die kindliche Gehirnentwicklung gibt es bisher nicht. Die meisten Studien laufen über Wochen bis Monate, selten über Jahre. Was eine jahrelange tägliche Gabe in einem heranreifenden Gehirn auslöst, ist wissenschaftlich offen. Deshalb gilt: niedrigste wirksame Dosis, regelmäßige Pausen alle paar Monate, ärztliche Begleitung.

Und nicht jeder reagiert auf CBD. In den Studien gibt es immer eine Gruppe, bei der sich nichts spürbar verändert – das sind oft 15 bis 20 Prozent. Wenn nach vier bis sechs Wochen sauberer Anwendung mit angepasster Dosierung keine Veränderung sichtbar wird, gehört CBD bei diesem Kind oder dieser Person nicht in den Therapieplan.

Erfahrungen aus der Community

In Foren und Eltern-Communities tauschen sich Familien und erwachsene Autisten über ihre Erfahrungen mit CBD aus. Die Berichte sind keine wissenschaftlichen Belege, geben aber ein realistisches Bild davon, was im Alltag möglich ist – und was nicht.

Wir nutzen ein 10%-iges CBD-Hanföl überwiegend für unseren Sohn. Er ist Autist und hat ein paar weitere Diagnosen. Das Öl gehört bei uns inzwischen zum Alltag.

Nadine W.

Eltern-Community, Hanfverband-Forum

Ich gebe es meinem sechsjährigen Sohn, der Autist ist. Vorher habe ich mich sehr lange beraten lassen. Heute bin ich froh, dass wir es probiert haben.

Victoria D.

Eltern-Community, Facebook-Gruppe

Unser Sohn ist Autist und hatte extreme innere Unruhe und Nervosität. Das CBD hilft uns persönlich sehr.

Ümit O.

Eltern-Community, Facebook-Gruppe

Quelle: Hanfverband-Forum, geschlossene Eltern-Communities

Der Tenor in fast allen Berichten: CBD bringt selten dramatische Veränderungen über Nacht, sondern eine schrittweise Verschiebung. Ein bisschen weniger Anspannung, ein bisschen mehr Schlaf, ein bisschen mehr Luft im sozialen Kontakt. Genau das ist auch in den Studien zu beobachten – und genau das macht den Unterschied im Alltag.

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Häufige Fragen zu CBD bei Autismus

Hilft CBD bei Autismus wirklich?
CBD lindert nach aktueller Studienlage vor allem Begleitsymptome wie Schlafprobleme, Wutanfälle, innere Unruhe und Angst – die Kernsymptome der ASS verändert es nicht. In Beobachtungsstudien berichten 60 bis 80 Prozent der Familien von spürbaren Verbesserungen im Alltag.
Ab welchem Alter darf ich meinem Kind CBD geben?
CBD ist in Deutschland frei verkäuflich und an kein Mindestalter gebunden, dennoch sollte die Anwendung bei Kindern immer mit dem Kinderarzt abgesprochen werden. In den vorliegenden Studien lag das Mindestalter meist zwischen zwei und fünf Jahren.
Welches CBD Öl ist bei Autismus geeignet?
Für Kinder ein THC-freies Breitspektrum-Öl in 5% Stärke – präzise dosierbar und ohne psychoaktive Wirkung. Erwachsene können auch zu Vollspektrum mit unter 0,3% THC greifen, das die Wirkung über den Entourage-Effekt verstärken kann.
Wie lange dauert es, bis CBD bei Autismus wirkt?
Erste Effekte auf Schlaf und innere Unruhe können sich nach wenigen Tagen zeigen. Für eine belastbare Einschätzung der Wirkung auf Verhalten und Reizverarbeitung solltest du vier bis sechs Wochen einplanen.
Hat CBD Nebenwirkungen bei autistischen Kindern?
Möglich sind Müdigkeit, Appetitveränderungen oder Magen-Darm-Beschwerden, vor allem bei zu hoher Anfangsdosis. Reduziert man die Menge, klingen diese Effekte meist innerhalb weniger Tage wieder ab.
Macht CBD bei Autisten abhängig?
Nein. CBD wirkt nicht psychoaktiv und löst keine körperliche oder psychische Abhängigkeit aus. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Cannabidiol ausdrücklich als nicht suchterzeugend ein.
Hilft CBD auch Erwachsenen mit Asperger?
Ja, viele Erwachsene im Spektrum berichten von weniger Anspannung, leichterem Einschlafen und mehr Gelassenheit in sozialen Situationen. Studien zu Erwachsenen sind seltener, die ECS-Mechanismen wirken aber unabhängig vom Alter.
Was tun, wenn CBD nicht wirkt?
Bei rund 15 bis 20 Prozent der Anwender bleibt eine spürbare Wirkung aus. Vor dem Abbruch lohnt sich eine schrittweise Erhöhung über vier bis sechs Wochen sowie ein Wechsel zwischen Breit- und Vollspektrum. Wenn auch das nicht greift, gehört CBD nicht in den Therapieplan dieser Person.

Unser Fazit zu CBD bei Autismus

CBD ist bei Autismus kein Heilmittel und kein Allheilmittel – aber für viele Familien und erwachsene Autisten ein hilfreicher Baustein, wenn Schlafprobleme, innere Unruhe, Reizüberflutung oder Wutanfälle den Alltag erschweren. Die Studienlage zeigt klare Effekte bei Begleitsymptomen, während die Kernmerkmale der ASS unberührt bleiben. Wer CBD probieren möchte, fängt niedrig an, beobachtet vier bis sechs Wochen genau und holt sich bei Kindern oder bestehender Medikation ärztliche Begleitung. Der größte Gewinn liegt selten im großen Durchbruch, sondern in der schrittweisen Verschiebung Richtung mehr Ruhe und mehr Schlaf.

Medizinischer Haftungsausschluss

Studien und Quellen
  1. Bar-Lev Schleider, L., Mechoulam, R., Saban, N., Meiri, G., & Novack, V. (2019). Real life Experience of Medical Cannabis Treatment in Autism: Analysis of Safety and Efficacy. Scientific Reports, 9, 200. https://www.nature.com/articles/s41598-018-37570-y
  2. Aran, A., Cassuto, H., Lubotzky, A., Wattad, N., & Hazan, E. (2019). Brief Report: Cannabidiol-Rich Cannabis in Children with Autism Spectrum Disorder and Severe Behavioral Problems – A Retrospective Feasibility Study. Journal of Autism and Developmental Disorders, 49, 1284–1288. https://link.springer.com/article/10.1007/s10803-018-3808-2
  3. Aran, A., Harel, M., Cassuto, H., Polyansky, L., Schnapp, A., Wattad, N., Shmueli, D., Golan, D., & Castellanos, F. X. (2021). Cannabinoid treatment for autism: a proof-of-concept randomized trial. Molecular Autism, 12, 6. https://molecularautism.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13229-021-00420-2
  4. Silva, E. A. da, Junior, et al. (2024). Evaluation of the efficacy and safety of cannabidiol-rich cannabis extract in children with autism spectrum disorder: randomized, double-blind, and placebo-controlled clinical trial. Trends in Psychiatry and Psychotherapy, 46, e20210396. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11332686/
  5. Hacohen, M., Stolar, O. E., Berkovitch, M., Elkana, O., Kohn, E., Hazan, A., Heyman, E., Sobol, Y., Waissengreen, D., Gal, E., & Dinstein, I. (2022). Children and adolescents with ASD treated with CBD-rich cannabis exhibit significant improvements particularly in social symptoms: an open label study. Translational Psychiatry, 12, 375. https://www.nature.com/articles/s41398-022-02104-8
  6. Bilge, S., & Ekici, B. (2021). CBD-enriched cannabis for autism spectrum disorder: an experience of a single center in Turkey and reviews of the literature. Journal of Cannabis Research, 3, 53. https://jcannabisresearch.biomedcentral.com/articles/10.1186/s42238-021-00108-7
  7. Karhson, D. S., Krasinska, K. M., Dallaire, J. A., Libove, R. A., Phillips, J. M., Chien, A. S., Garner, J. P., Hardan, A. Y., & Parker, K. J. (2018). Plasma anandamide concentrations are lower in children with autism spectrum disorder. Molecular Autism, 9, 18. https://molecularautism.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13229-018-0203-y
  8. Wei, D., Lee, D., Cox, C. D., Karsten, C. A., Peñagarikano, O., Geschwind, D. H., Gall, C. M., & Piomelli, D. (2015). Endocannabinoid signaling mediates oxytocin-driven social reward. Proceedings of the National Academy of Sciences, 112(45), 14084–14089. https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1509795112
  9. World Health Organization, Expert Committee on Drug Dependence (2018). Cannabidiol (CBD) Critical Review Report. 40th Meeting, Geneva. https://cdn.who.int/media/docs/default-source/controlled-substances/whocbdreportmay2018-2.pdf
Dominik Martzy
Dominik Martzy

Dominik Martzy ist CBD-Fachautor mit Schwerpunkt auf Wirkung, Dosierung und Anwendungssicherheit. Er hat über 300 Fachartikel für CANNABY recherchiert und verfasst – anhand aktueller Studien, mit klarer Trennung zwischen gesichertem Wissen und offenen Fragen. Alle Inhalte werden regelmäßig überprüft und bei neuen Erkenntnissen aktualisiert.

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