CBD & Stillzeit
CBD Öl in der Stillzeit: Warum du besser verzichtest
Nach der Geburt läuft dein Körper auf Reserve: zu wenig Schlaf, innere Unruhe, ein Alltag, der sich gerade komplett neu sortiert. Da klingt ein pflanzlicher Helfer wie CBD Öl verlockend – natürlich, sanft, unkompliziert. Genau dieser Eindruck führt in der Stillzeit aber in die Irre. Denn was du einnimmst, bleibt nicht bei dir: Cannabidiol kann über die Muttermilch bei deinem Baby ankommen, und ob das für einen so kleinen Körper unbedenklich ist, weiß bisher niemand sicher.
Das Wichtigste im Überblick
- Nein, in der Stillzeit verzichtest du besser auf CBD Öl – Cannabidiol kann über die Muttermilch beim Baby ankommen.
- Wie sich das auf gestillte Säuglinge auswirkt, ist bisher nicht ausreichend erforscht; FDA und Fachstellen raten ab.
- Äußerlich angewendete CBD Creme gilt als vertretbarer, weil kaum etwas ins Blut übergeht.
- Nach dem Abstillen spricht nichts dagegen, wieder zu deinem gewohnten CBD Öl zurückzukehren.
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde
Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.
Mehr über Dr. FurtlehnerIst CBD Öl in der Stillzeit sicher?
Nein, sicher ist CBD Öl in der Stillzeit nicht: Es fehlen schlicht die belastbaren Daten. Aus ethischen Gründen gibt niemand stillenden Müttern gezielt CBD, um die Wirkung auf ihr Baby zu messen. Was es gibt, stammt fast immer aus der allgemeinen Cannabis-Forschung, aus Tierstudien oder von Frauen, die Cannabis konsumierten – kaum je von Müttern, die reines CBD Öl genommen haben.
Eine Modellrechnung aus dem Jahr 2023 schätzte auf Basis echter Milchproben, wie viel CBD ein gestilltes Baby über die Milch aufnimmt. Das Ergebnis: vermutlich nur sehr kleine Mengen. Nur beantwortet auch diese Arbeit die eigentliche Frage nicht – ob selbst kleine Mengen für einen Säugling harmlos sind, ist offen. Für dich bleibt damit ein Restrisiko, das sich aktuell nicht wegrechnen lässt.
Entsprechend eindeutig sind die Fachstellen: Die FDA rät ausdrücklich von CBD in jeder Form während Schwangerschaft und Stillzeit ab, und auch Stiftung Warentest empfiehlt Schwangeren und Stillenden den vollständigen Verzicht auf Hanfprodukte. Solange sich die Sicherheit nicht verlässlich beurteilen lässt, gibt es keinen guten Grund, dieses Risiko für dich und dein Baby einzugehen.
Geht CBD in die Muttermilch über?
Ja, CBD kann in die Muttermilch übergehen, und der Grund liegt in seiner Chemie. Cannabidiol ist fettlöslich (lipophil), und Muttermilch hat einen hohen Fettanteil. Nimmst du CBD Öl ein, gelangt der Wirkstoff über den Verdauungstrakt ins Blut und verteilt sich im Körper – der gleiche Weg, über den CBD überhaupt erst wirkt. Über die Blutgefäße erreicht es so auch das Drüsengewebe der Brust, und dort reichert es sich in der fettreichen Milch eher an als in deinem Blut.
Dazu kommt: CBD verschwindet nicht schnell wieder. Je nach Aufnahmeweg reicht die Halbwertszeit von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen bei regelmäßiger oraler Einnahme. Der Wirkstoff bleibt also über mehr als einen Tag im Körper nachweisbar – und damit potenziell auch in der Milch. Eine einzelne Einnahme ist deshalb nicht nach ein paar Stunden „raus".
Dass Cannabinoide tatsächlich in menschlicher Milch ankommen, ist gut belegt: Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 hält fest, dass sich Cannabinoide und ihre Abbauprodukte in Muttermilch nachweisen lassen und aufgrund ihrer Fettlöslichkeit gut dorthin gelangen. Gleichzeitig betonen die Autoren, wie wenig bisher darüber bekannt ist, wie sie die Milch, die Milchbildung oder das gestillte Kind beeinflussen. Für dich heißt das: Der Übergang ist gesichert, die Folgen sind es nicht.
Schon gewusst?
Muttermilch enthält von Natur aus körpereigene Cannabinoide – sogenannte Endocannabinoide wie 2-AG. Tierstudien deuten darauf hin, dass sie beim Saugreflex und in der frühen Entwicklung eine Rolle spielen; wie das beim Menschen genau abläuft, ist noch wenig verstanden. Entscheidend ist der Unterschied: Diese Stoffe bildet der Körper selbst, in genau der Menge, die zu dieser Phase passt. Von außen zugeführtes CBD lässt sich damit nicht gleichsetzen.
Welche Risiken hat CBD in der Stillzeit für Mutter und Kind?
Das Risiko betrifft beide Seiten, dich und dein Baby, aber jeweils aus unterschiedlichen Gründen.
Für dich als Mutter
Auch für dich ist CBD nach der Geburt nicht automatisch harmlos. Cannabidiol hemmt bestimmte Leberenzyme aus dem CYP450-System, über die viele Medikamente abgebaut werden. Werden diese Enzyme gebremst, können andere Wirkstoffe langsamer abgebaut werden und stärker oder länger wirken als vorgesehen – daraus entstehen mögliche Wechselwirkungen. Gerade nach der Geburt ist das relevant, weil viele Mütter noch Schmerzmittel, Antibiotika oder andere Arzneimittel einnehmen. Wenn das auf dich zutrifft, ergänze CBD nicht auf eigene Faust, sondern sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Für dein Baby
Bei deinem Baby wiegt die Frage schwerer, weil in den ersten Lebensmonaten vieles im Körper noch nicht ausgereift ist. Die Leber, die CBD abbauen müsste, arbeitet noch nicht wie bei einem Erwachsenen – wie gut ein Säugling den Wirkstoff überhaupt verarbeitet, ist unklar. Gleichzeitig entwickelt sich das Gehirn in dieser Phase besonders schnell, und das körpereigene Endocannabinoid-System steuert dabei wichtige Abläufe mit. Ob von außen zugeführte Cannabinoide da eingreifen, lässt sich beim aktuellen Forschungsstand nicht ausschließen. In Summe ergibt sich ein Bild, bei dem Zurückhaltung schlicht die vernünftigere Wahl ist.
CBD im Vergleich zu Alkohol, Nikotin und Koffein
CBD ist nicht der einzige Stoff, der in die Muttermilch übergeht. Bei Alkohol und Nikotin ist den meisten Müttern sofort klar: lieber nicht. Bei CBD fällt die Einschätzung schwerer, weil es als pflanzlich und mild wahrgenommen wird. Ein direkter Vergleich hilft dir, es richtig einzuordnen.
| Substanz | In der Milch? | Wie lange? | Mögliche Folgen fürs Baby |
|---|---|---|---|
| CBD | Ja | Stunden bis Tage | Auswirkungen auf Säuglinge bisher nicht ausreichend geklärt |
| THC | Ja | Tage bis Wochen | Mögliche Beeinträchtigung von Entwicklung und Verhalten |
| Alkohol | Ja | Mehrere Stunden | Belastung für Schlaf, Verhalten und Entwicklung |
| Nikotin | Ja | Stunden bis länger | Mögliche Belastung für Schlaf, Atmung und Entwicklung |
| Koffein | Ja | Mehrere Stunden | Unruhe und Schlafprobleme bei empfindlichen Säuglingen |
Das Muster ist bei allen gleich: Was du aufnimmst, kann beim Baby ankommen. Der Unterschied liegt nur darin, wie gut die Folgen erforscht sind – und ausgerechnet bei CBD sind sie es am wenigsten.
Ist CBD Creme in der Stillzeit eine Alternative?
Eher ja: Hier liegt der eine Weg, wie du CBD in dieser Phase vertretbar nutzen kannst. Der Grund ist der Aufnahmeweg. Bei äußerlicher Anwendung bleibt CBD weitgehend lokal, wirkt auf der Haut und im Gewebe darunter und gelangt nur in minimalen Mengen ins Blut – deutlich weniger als beim Schlucken. Damit sinkt auch das Risiko, dass etwas über die Milch bei deinem Baby ankommt.
Interessant wird das zum Beispiel bei trockener, gereizter Haut oder verspannten Bereichen, die nach Geburt und viel Tragen häufig sind. Trotzdem gelten klare Regeln: Nutze nur Produkte ohne THC und mit sauberen Laboranalysen, damit nachvollziehbar ist, was drin ist. Trag die Creme nicht im Brustbereich auf, wasch dir nach dem Auftragen die Hände, und sprich die Anwendung im Zweifel vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme ab.
Was dir in der Stillzeit wirklich helfen kann
Der Wunsch hinter dem Griff zu CBD bleibt ja berechtigt: Stress, Schmerzen und Schlafmangel gehören für viele Mütter zum neuen Alltag. Nur lassen sie sich in dieser Phase besser anders angehen. Wärme entspannt verspannte Schultern und den Rücken, die beim Stillen und Tragen viel abbekommen. Sanfte Bewegung wie Spaziergänge, leichtes Dehnen oder Rückbildung bringt den Körper wieder in Gang. Bei hartnäckigen Schmerzen in Rücken, Nacken oder Schultern lohnt sich Physiotherapie, oft auch eine Massage. Und gegen innere Unruhe helfen manchmal schon ein paar Minuten Atemübung am Tag oder ein milder Tee als kleiner Ruhepunkt.
Bleiben Beschwerden bestehen oder werden stärker, ist deine Hebamme oder Ärztin die richtige Anlaufstelle – gerade in der Stillzeit lässt sich vieles besser beurteilen, wenn jemand mit Erfahrung draufschaut. Und die gute Nachricht: Der Verzicht gilt nur für diese eine Phase. Sobald du abgestillt hast, steht deinem gewohnten CBD Öl nichts mehr im Weg.
Häufige Fragen zu CBD in der Stillzeit
Kann ich CBD während des Stillens einnehmen?
Wie lange bleibt CBD in der Muttermilch?
Wie lange nach Cannabiskonsum sollte ich nicht stillen?
Darf ich in der Stillzeit CBD rauchen?
Was ist mit THC-Rückständen in CBD-Produkten?
Was mache ich, wenn ich in der Stillzeit schon CBD genommen habe?
Ab wann nach der Stillzeit darf ich wieder CBD nehmen?
Verändert CBD die Milchmenge oder den Geschmack der Muttermilch?
Unser Fazit
In der Stillzeit besser ohne CBD Öl
Auch wenn CBD Öl sanft und natürlich wirkt, ist es in der Stillzeit keine gute Wahl. Cannabidiol kann über die Muttermilch beim Baby ankommen, und ob selbst kleine Mengen einem Säugling schaden, ist bisher nicht geklärt – FDA und Stiftung Warentest raten ab. Solange sich die Sicherheit nicht verlässlich beurteilen lässt, überwiegt das Risiko den möglichen Nutzen.
Wer mit Stress, Schmerzen oder Schlafproblemen kämpft, ist in dieser Phase mit anderen Mitteln besser beraten – von Wärme und Bewegung bis zur Hebamme. Und falls im CBD-Bereich überhaupt etwas infrage kommt, dann äußerlich: THC-frei, laborgeprüft, nicht im Brustbereich. Der Verzicht gilt ohnehin nur vorübergehend: Nach dem Abstillen kannst du jederzeit zurückkehren.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keinen Arztbesuch. CBD ist kein Medikament und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen oder zu behandeln. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Dauermedikation oder wenn du unsicher bist, sprich die Anwendung vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme ab.
Medizinischer HaftungsausschlussStudien und Quellen
- Yeung CHT, Bertrand KA, Best BM, et al. (2023). Cannabidiol Exposure Through Maternal Marijuana Use: Predictions in Breastfed Infants. Clinical Pharmacokinetics, 62, 1611–1619. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37735347
- Castro-Navarro I, McGuire MA, Williams JE, et al. (2024). Maternal cannabis use during lactation and potential effects on human milk composition and production: A narrative review. Advances in Nutrition, 15(4), 100196. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38432590
- Millar SA, Stone NL, Yates AS, O'Sullivan SE. (2018). A Systematic Review on the Pharmacokinetics of Cannabidiol in Humans. Frontiers in Pharmacology, 9, 1365. ncbi.nlm.nih.gov/pmc/PMC6275223
- Fride E, Ginzburg Y, Breuer A, Bisogno T, Di Marzo V, Mechoulam R. (2001). Critical role of the endogenous cannabinoid system in mouse pup suckling and growth. European Journal of Pharmacology, 419(2-3), 207–214. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11426843
- U.S. Food and Drug Administration (FDA). What You Should Know About Using Cannabis, Including CBD, When Pregnant or Breastfeeding. Consumer Update. fda.gov
- Stiftung Warentest (2021). Lebensmittel mit Hanf: Manchmal mehr THC als erlaubt. test.de

