Cannabinoide
CBGA – die Mutter aller Cannabinoide
Jedes CBD-Molekül in deinem Öl hatte einmal dieselbe Ausgangsform – und die heißt nicht CBD, sondern CBGA. Aus dieser einen Säure, der Cannabigerolsäure, baut die Hanfpflanze fast alle bekannten Cannabinoide auf: CBD, THC, CBG und viele mehr. Deshalb nennt man CBGA die Mutter aller Cannabinoide. Lange galt sie als reine Zwischenstufe, die niemanden interessieren musste. Anders als gedacht bringt sie aber eigene Eigenschaften mit.
Das Wichtigste im Überblick
- CBGA ist die saure Vorstufe fast aller Cannabinoide und gilt als Mutter aller Cannabinoide – ohne CBGA gäbe es weder CBD noch THC.
- CBGA ist nicht psychoaktiv und steckt vor allem in roher Hanfpflanze; durch Wärme wird daraus das aktive CBG.
- Die Forschung ist früh: Fast alle Ergebnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen, klinische Studien am Menschen fehlen.
- In Vollspektrum-Ölen steckt CBGA in kleinen Mengen und ist im Analysezertifikat als eigene Position erkennbar.
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde
Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.
Mehr über Dr. FurtlehnerWas ist CBGA?
CBGA, kurz für Cannabigerolsäure, ist die saure Vorstufe fast aller Cannabinoide in der Hanfpflanze. Aus ihr entstehen über enzymatische Prozesse die bekannten Verbindungen wie CBD, THC und CBC – deshalb trägt CBGA den Beinamen Mutter aller Cannabinoide.
Chemisch gehört CBGA zur Gruppe der Cannabinoid-Säuren. Kennzeichnend ist die Carboxylgruppe (-COOH) am Molekül: Sie macht CBGA zur sauren Form von Cannabigerol. Fällt diese Gruppe durch Wärme oder lange Lagerung weg, wird aus CBGA das aktive CBG.
Gebildet wird CBGA in den Trichomen der Hanfpflanze, den harzigen Drüsen auf Blüten und kleinen Blättern. Anders als THC ist CBGA nicht psychoaktiv und löst keinen Rausch aus. In roher, unerhitzter Pflanze liegt es in nennenswerter Menge vor; in fertigen, erhitzten Produkten bleibt meist nur ein Bruchteil übrig.
Wie aus CBGA alle Cannabinoide entstehen
Aus CBGA entstehen alle weiteren Cannabinoide über spezialisierte Enzyme. Die Pflanze baut CBGA früh auf und verteilt es dann in drei Richtungen – lange bevor CBD, THC oder CBG überhaupt vorliegen.
Zwei Bausteine bilden den Anfang: Olivetolsäure und Geranyldiphosphat. Ein Enzym, die CBGA-Synthase, fügt beide zusammen. In jungen Pflanzen liegt CBGA deshalb in hoher Konzentration vor. Mit der Reife wandeln drei weitere Enzyme das vorhandene CBGA um, und was am Ende übrig bleibt, hängt stark vom Erntezeitpunkt ab.
Die drei Synthase-Wege
Drei spezialisierte Enzyme schicken CBGA in drei Richtungen. Die THCA-Synthase bildet THCA, die saure Vorstufe von THC. Die CBDA-Synthase bildet CBDA, die Vorstufe von CBD. Und die CBCA-Synthase bildet CBCA, die Vorstufe des selteneren CBC.
Welcher Weg überwiegt, ist genetisch festgelegt: CBD-reiche Sorten haben eine aktive CBDA-Synthase, THC-reiche Sorten eine starke THCA-Synthase. Im klassischen Industriehanf für CBD-Öle wandert der größte Teil in den CBDA-Zweig – was nicht umgewandelt wird, bleibt als Rest-CBGA im Pflanzenmaterial.
Vom Säure- zum Wirkstoff: die Decarboxylierung
Solange CBGA in der frischen Pflanze bleibt, behält es seine saure Form. Erst beim Trocknen, Lagern oder Erhitzen spaltet sich die Carboxylgruppe ab, und aus CBGA wird das aktive CBG. Dasselbe passiert mit den anderen Säuren: Aus THCA wird THC, aus CBDA wird CBD.
Wie schnell das geht, hängt fast nur von der Temperatur ab. Bei Raumtemperatur zieht sich die Umwandlung über Wochen, spürbar schnell wird sie erst bei 105 bis 120 °C. Eine Untersuchung von 2016 fand, dass bei 145 °C nach rund einer Stunde kaum noch Säure übrig ist. Schonende Kaltextraktion erhält dagegen mehr der ursprünglichen Säurefraktion, und der Grad der Decarboxylierung entscheidet mit, wie viel CBGA statt CBG am Ende im Öl steckt.
CBGA, CBG, CBD und CBDA – die Unterschiede
CBGA wird oft mit CBG verwechselt, manchmal auch mit CBD. Der Grund: Alle vier sind eng verwandt, gehören aber zu zwei Familien. Auf der einen Seite die sauren Cannabinoide CBGA und CBDA, auf der anderen die neutralen, aktivierten Formen CBG und CBD. Und CBGA steht als Ausgangspunkt über allen.
Saure Cannabinoide tragen noch eine Carboxylgruppe und stecken vor allem in roher, frischer Pflanze. Wird sie getrocknet oder erhitzt, beginnt die Umwandlung in die neutrale Form: Aus CBGA wird CBG, aus CBDA wird CBD. Die neutralen Formen sind in Ölen besser erforscht, weil sie hitzestabiler sind und sich leichter dosieren lassen. Genau hier setzt die aktuelle Forschung an, denn die sauren Formen bringen offenbar eigene Eigenschaften mit, die ihre neutralen Geschwister so nicht zeigen.
Die Rangfolge bleibt gleich: CBGA steht oben. Daraus bildet die Pflanze CBDA, daraus wird durch Wärme CBD; parallel wird aus CBGA selbst durch Decarboxylierung CBG. Wie sich die beiden bekanntesten neutralen Formen unterscheiden, zeigt der direkte Vergleich von CBG und CBD.
| Cannabinoid | Form | Entstehung | Typisch in Ölen |
|---|---|---|---|
| CBGA | saure Vorstufe | aus Olivetolsäure und Geranyldiphosphat | geringe Mengen, vor allem in kalt extrahierten Vollspektrum-Ölen |
| CBG | aktivierte Form von CBGA | aus CBGA durch Wärme (Decarboxylierung) | in Standard-Ölen niedrig, in CBG-Ölen gezielt erhöht |
| CBDA | saure Vorstufe von CBD | aus CBGA über die CBDA-Synthase | vor allem in Roh-Extrakten und kaltgepressten Ölen |
| CBD | aktivierte Form von CBDA | aus CBDA durch Wärme (Decarboxylierung) | Hauptanteil in den meisten CBD-Ölen |
Was CBGA im Körper bewirkt
Ehrlich vorweg: Fast alles, was wir über die Wirkung von CBGA wissen, stammt aus Labor- und Tierversuchen. Klinische Studien am Menschen fehlen bislang fast völlig. Was CBGA in der Petrischale oder im Mausmodell zeigt, lässt sich nicht eins zu eins auf deinen Alltag übertragen – spannend ist es trotzdem, denn CBGA verhält sich in mehreren Punkten anders als das verwandte CBD.
Bindung an das SARS-CoV-2-Spike-Protein
Das meistzitierte Ergebnis stammt von 2022. Eine Studie der Oregon State University zeigte, dass CBGA und CBDA an das Spike-Protein von SARS-CoV-2 binden – also an die Stelle, mit der das Coronavirus an menschliche Zellen andockt. In Zellkultur verhinderten beide Säuren den Zelleintritt, auch bei den Varianten Alpha und Beta.
Was die Studie nicht zeigt: dass CBGA-haltige Produkte vor einer Infektion schützen. Es war ein reiner Laborversuch mit isolierten Zellen, und die eingesetzten Konzentrationen sind über ein Öl kaum erreichbar. Der Befund ist wissenschaftlich interessant – medizinische Schlüsse solltest du daraus nicht ziehen.
Nieren- und Entzündungsforschung
Eine Untersuchung von 2023 testete CBGA an Mäusen mit akuter Niereninsuffizienz, ausgelöst durch das Chemotherapeutikum Cisplatin. CBGA senkte den Gewichtsverlust der Tiere von 18% auf 7% und drückte entzündungsfördernde Botenstoffe in der Niere deutlich.
Bemerkenswert: CBGA war dabei wirksamer als CBD, und die Kombination beider war schwächer als CBGA allein. Ein Mechanismus dahinter ist der TRPM7-Ionenkanal, der bei Zellstress eine Rolle spielt. Unter den getesteten Cannabinoiden hemmte CBGA diesen Kanal am stärksten und dockt dafür an dessen Kinase-Domäne an. Das erklärt, warum CBGA in der Niere anders wirkt als das chemisch verwandte CBD.
Stoffwechsel und PPAR-Rezeptoren
Eine italienische Studie von 2019 identifizierte CBGA, gemeinsam mit CBDA und CBG, als dualen Aktivator der PPAR-α/γ-Rezeptoren. Diese Rezeptoren sitzen im Zellkern und steuern Fett- und Zuckerstoffwechsel mit. Auch das stammt aus Computermodellen und Zellversuchen: Eine echte Wirkung beim Menschen mit Diabetes oder Stoffwechselstörungen lässt sich daraus nicht ableiten. Wer Diabetes hat, sollte Änderungen an der Medikation immer ärztlich besprechen und CBGA-Produkte nie als Therapieersatz verstehen.
Auch neuere Arbeiten setzen hier an: 2024/25 fand dieselbe italienische Arbeitsgruppe, dass CBGA und CBDA im Zellversuch mehrere Alzheimer-relevante Enzyme hemmen und im Mausmodell kognitive Defizite verbesserten. In einem Epilepsie-Modell wirkte CBGA dagegen gegensätzlich – je nach Modell und Dosis teils anfallshemmend, teils anfallsfördernd. Beide Felder stehen ganz am Anfang, zeigen aber: CBGA ist biologisch aktiv und funktioniert anders als CBD und CBG.
| Forschungsfeld | Studientyp | Kernbefund |
|---|---|---|
| SARS-CoV-2-Spike | Zellkultur | CBGA und CBDA binden das Spike-Protein und blockieren den Zelleintritt, auch bei Alpha und Beta |
| Akute Niereninsuffizienz | Mausmodell | CBGA senkt Gewichtsverlust (18% auf 7%) und Entzündungsbotenstoffe stärker als CBD; Kombination schwächer als CBGA allein |
| TRPM7-Ionenkanal | Patch-Clamp | CBGA ist der stärkste TRPM7-Hemmer unter den getesteten Cannabinoiden; bindet an die Kinase-Domäne |
| Stoffwechsel / PPAR | In-silico + Zellversuch | CBGA aktiviert die PPAR-α/γ-Rezeptoren, die den Fett- und Zuckerstoffwechsel mitsteuern |
| Alzheimer-Ziele | Zellversuch + Mausmodell | CBGA und CBDA hemmen die Enzyme AChE, BuChE und BACE-1 und verbesserten kognitive Defizite im Tiermodell |
| Epilepsie (Dravet) | Mausmodell | CBGA wirkte gegensätzlich – je nach Modell und Dosis teils anfallshemmend, teils anfallsfördernd |
CBGA in Ölen erkennen und nutzen
CBGA gibt es selten als eigenes Produkt. In der Praxis taucht es fast immer als Teil eines breiteren Hanfextrakts auf – meist in Vollspektrum-Ölen, die das natürliche Cannabinoid-Profil möglichst vollständig erhalten. Wie viel CBGA drinsteckt, hängt von zwei Dingen ab: der Hanfsorte und der Verarbeitung. Je schonender extrahiert wird und je weniger Hitze ins Spiel kommt, desto eher bleiben Säure-Vorstufen wie CBGA messbar. Stark erhitzte Extrakte oder reine Isolate enthalten praktisch kein CBGA mehr.
Ein nennenswerter CBGA-Anteil ist deshalb weniger ein Extra, das gezielt zugesetzt wird, sondern ein Hinweis auf die Verarbeitung: Er zeigt, dass der Hersteller das ganze Pflanzenprofil erhält, statt alles auf einen Wirkstoff zu reduzieren.
Was das Analysezertifikat verrät
Ob ein Öl wirklich CBGA enthält, steht im Analysezertifikat, kurz COA für Certificate of Analysis. Seriöse Hersteller veröffentlichen diesen Laborbericht für jede Charge, mit allen nachgewiesenen Cannabinoiden einzeln aufgeführt.
Worauf du achten solltest: CBGA muss als eigene Position erscheinen, nicht nur unter Sammelbegriffen wie „Gesamt-Cannabinoide". Und die Chargennummer auf dem Analysezertifikat sollte zu der auf deiner Flasche passen – nur dann belegt es, dass genau dein Öl getestet wurde.
Entdecke die volle Kraft von CBG
CBG ist die aktivierte Form von CBGA – mit eigenem Profil und gezielt erhöhtem Anteil aus Schweizer Bio-Hanf.
Zum CBG ÖlCBGA ist kein Ersatz für CBD. Wer ein Öl allein wegen des CBGA-Anteils kauft, sollte realistisch bleiben: Die Forschung ist spannend, aber präklinisch. Ein CBGA-Anteil ist deshalb eher ein Indikator für ein vollständiges Profil – ein Zeichen, dass der Extrakt schonend hergestellt wurde und neben CBD auch Vorstufen und kleinere Cannabinoide enthält.
Praktisch heißt das: Wenn du CBGA gezielt nutzen möchtest, lohnt der Blick auf ein CBD Öl im Breit- oder Vollspektrum mit veröffentlichtem COA. Starte niedrig dosiert: das Öl unter die Zunge geben, etwa 60 Sekunden einwirken lassen und dann schlucken. Beobachte über mehrere Tage, wie du reagierst, bevor du die Menge anpasst. Entscheidend ist nicht der höchste Wert, sondern ein sauber hergestelltes Öl, dessen Inhaltsstoffe im Zertifikat klar nachvollziehbar sind.
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Jetzt ansehenHäufige Fragen zu CBGA
Ist CBGA psychoaktiv?
Was ist der Unterschied zwischen CBGA und CBG?
Wie wird aus CBGA CBG?
Welche Vorteile bietet CBGA-Öl?
Ist CBGA legal?
In welchen Produkten steckt CBGA?
Was ist der Unterschied zwischen CBGA und CBDA?
Ist CBGA das Gleiche wie CBD?
Kann man CBGA einzeln kaufen?
Unser Fazit
CBGA ist mehr als eine Zwischenstufe
CBGA ist der Ausgangspunkt der ganzen Hanfpflanze. Aus ihr entstehen CBD, THC, CBG und viele weitere Cannabinoide – und zugleich bringt CBGA eigene Eigenschaften mit, die in den letzten Jahren wissenschaftlich interessant geworden sind.
Die Forschung steht dabei noch am Anfang. Fast alle Ergebnisse stammen aus Labor- und Tierversuchen, klinische Daten am Menschen fehlen weitgehend. Wer CBGA in einem Produkt sucht, achtet am besten auf ein Breit- oder Vollspektrum-Öl mit veröffentlichtem Analysezertifikat – dort zeigt sich, ob und in welcher Menge es wirklich enthalten ist.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient deiner Information und ersetzt keinen Arztbesuch. CBGA und CBD sind keine Medikamente und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu heilen oder zu behandeln. Nimmst du dauerhaft Medikamente oder hast eine Vorerkrankung, sprich die Anwendung vorher mit deinem Arzt ab.
Medizinischer HaftungsausschlussStudien und Quellen
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- Suzuki S, Fleig A, Penner R. (2023). CBGA ameliorates inflammation and fibrosis in nephropathy. Scientific Reports, 13, 6341. nature.com
- Suzuki S, Wakano C, Monteilh-Zoller MK, et al. (2023). Cannabigerolic Acid (CBGA) Inhibits the TRPM7 Ion Channel Through its Kinase Domain. Function (Oxf), 5(1), zqad069. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38162115
- D'Aniello E, Fellous T, Iannotti FA, et al. (2019). Identification and characterization of phytocannabinoids as novel dual PPARα/γ agonists by a computational and in vitro experimental approach. Biochimica et Biophysica Acta (BBA) – General Subjects, 1863(3), 586–597. doi.org/10.1016/j.bbagen.2019.01.002
- Vitale RM, Morace AM, D'Errico A, et al. (2025). Identification of Cannabidiolic and Cannabigerolic Acids as MTDL AChE, BuChE, and BACE-1 Inhibitors Against Alzheimer's Disease. Phytotherapy Research, 39(1), 233–245. onlinelibrary.wiley.com
- Anderson LL, Heblinski M, Absalom NL, et al. (2021). Cannabigerolic acid, a major biosynthetic precursor molecule in cannabis, exhibits divergent effects on seizures in mouse models of epilepsy. British Journal of Pharmacology, 178(24), 4826–4841. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34384142
- Wang M, Wang YH, Avula B, et al. (2016). Decarboxylation Study of Acidic Cannabinoids. Cannabis and Cannabinoid Research, 1(1), 262–271. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28861498

