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Ratgeber · Cannabinoide

THCP (Tetrahydrocannabiphorol): Wirkung, Stärke und Rechtslage

THCP gilt als das stärkste bekannte Cannabinoid – ein Verwandter von THC, der schon in winzigen Mengen kräftig berauscht. Genau das macht es heikel: Es ist kaum erforscht, fast immer im Labor hergestellt und in Deutschland verboten. Dieser Überblick erklärt dir ruhig, was THCP ist, wie stark es wirklich wirkt und warum die „30× stärker"-Schlagzeile nur die halbe Wahrheit ist.

stark berauschend
das potenteste verbotene Cannabinoid
2019 entdeckt
von italienischen Forschern
verboten seit 2024
aufgenommen ins NpSG
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Medizinisch geprüft

Dr. med. Wolfgang Furtlehner

Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde

Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.

Das Wichtigste im Überblick

  • THCP ist ein sehr stark berauschendes Cannabinoid und in Deutschland seit dem 27.06.2024 verboten.
  • Es ist mit THC verwandt, bindet aber dank einer längeren Seitenkette deutlich stärker an die Rezeptoren im Gehirn.
  • „Bis zu 30× stärker" bezieht sich auf die Bindung im Labor – nicht automatisch auf einen 30-fachen Rausch.
  • In der Natur kommt THCP nur in Spuren vor; verkaufte Produkte sind fast immer im Labor hergestellt. Wer ein legales, nicht berauschendes Cannabinoid sucht, ist bei CBD richtig.

Grundlagen

Was ist THCP?

THCP steht für Tetrahydrocannabiphorol, manchmal auch THC-Heptyl genannt – nicht zu verwechseln mit THCA, der nicht berauschenden Säure-Vorstufe von normalem THC. Es ist ein naher Verwandter von THC, unterscheidet sich aber in einem entscheidenden Detail: THCP besitzt eine Seitenkette aus sieben Kohlenstoffatomen, THC nur aus fünf. Diese längere Kette lässt THCP deutlich fester an die Rezeptoren im Gehirn andocken – und das erklärt seine ungewöhnlich starke Wirkung.

Entdeckt wurde THCP erst 2019 von italienischen Forschern, die es als kleine Sensation präsentierten – es ist das einzige bekannte Pflanzen-Cannabinoid mit einer Sieben-Kohlenstoff-Kette. In der Hanfpflanze kommt es allerdings nur in winzigen Spuren vor, grob zwischen 0,002% und 0,014% – viel zu wenig für eine sinnvolle Gewinnung. Die THCP-Produkte, die man auf dem Markt sah, waren deshalb fast immer im Labor hergestellt.

Wirkung

Wie stark ist THCP wirklich?

THCP ist psychoaktiv und macht high – deutlich kräftiger als THC und damit klar anders als CBD, das nicht berauscht. Im Labor bindet THCP bis zu rund 30-mal stärker an den CB1-Rezeptor als klassisches THC. Der Grund steckt in einer Messgröße, der Bindungsstärke: THCP dockt schon bei etwa 1,2 nM an, THC erst bei rund 40 nM – und je kleiner dieser Wert, desto fester sitzt das Molekül am Rezeptor. Genau hier setzt aber die wichtige Einordnung an.

„30-mal stärkere Bindung" heißt nicht „30-mal stärkerer Rausch". Die Bindungsstärke ist nur ein Laborwert; wie sich das im Körper anfühlt, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig zu wissen: Diese Zahlen stammen aus Bindungsversuchen im Labor und Tests an Mäusen – klinische Studien am Menschen gibt es bis heute nicht. Klar ist trotzdem: THCP wirkt als Vollagonist am CB1-Rezeptor, also mit voller Kraft – schon kleine Mengen können unerwartet stark und lange wirken. Berichtet werden ein intensives Körper-High, tiefe Entspannung bis zum „Couch-Lock" und Euphorie, aber auch Paranoia.

Das eigentliche Problem: Eine sehr starke Substanz ohne standardisierte Dosierung lässt sich kaum kontrollieren. Was bei der einen Charge noch ging, kann bei der nächsten deutlich zu viel sein.

Vergleich

THCP vs. THC vs. HHC

THCP wird oft mit THC und mit HHC in einen Topf geworfen. Alle drei berauschen, unterscheiden sich aber in Stärke, Herkunft und Rechtslage.

 THCHHCTHCP
StärkeReferenzetwas milderdeutlich stärker
Herkunftnatürlichmeist Labormeist Labor
VorkommenhäufigSpurenwinzige Spuren
Rechtslagestreng reguliertverboten (NpSG)verboten (NpSG)

Unterm Strich ist THCP der stärkste und am wenigsten berechenbare der drei – und wie HHC in Deutschland verboten.

Produktformen

In welchen Formen gibt es THCP – und wie lange wirkt es?

Weil natürliches THCP viel zu selten ist, stammen die Produkte aus dem Labor. Verkauft wurde es vor allem als Vapes und Kartuschen, THCP-Blüten (mit aufgesprühtem THCP), Öle, Hash und Edibles. Wie lange die Wirkung anhält, hängt stark von der Form ab.

KonsumformWirkungsdauer (grob)
Vape / Inhalationca. 1–2 Stunden
Öl (sublingual)ca. 4–6 Stunden
Ediblesbis zu 8 Stunden

Gerade bei Edibles ist die Kombination aus später, langer Wirkung und hoher Potenz tückisch: Wer „nachlegt", weil zunächst nichts passiert, erlebt die volle Wirkung oft erst, wenn es längst zu viel ist.

Sicherheit

Risiken & Nebenwirkungen

Weil THCP kaum erforscht ist, fehlen verlässliche Daten zu Sicherheit und Langzeitfolgen. Was berichtet wird, ähnelt den Begleiterscheinungen von THC – nur in verschärfter Form, weil die Substanz so stark ist.

Starke, unberechenbare Wirkung

Als Vollagonist wirkt THCP schon in kleinen Mengen kräftig. Angst, Paranoia, Herzrasen, Kreislaufprobleme und Übelkeit sind möglich.

Unbekannte Nebenprodukte

Bei der Laborherstellung entstehen Begleitstoffe. In geprüften Proben fanden sich häufig unbekannte Substanzen oder THC.

Keine Sicherheitsdaten

Zu Giftigkeit, Nerven- oder Organschäden gibt es schlicht keine Studien. Die Risiken lassen sich nicht seriös abschätzen.

Hohe Überdosis-Gefahr

Ohne standardisierte Dosierung und bei dieser Stärke ist die Grenze zwischen „spürbar" und „zu viel" schnell überschritten.

Im Ernstfall: Bei starker Wirkung an einen ruhigen Ort gehen, hinsetzen oder hinlegen, ausreichend trinken und jemanden dazuholen. Bei schweren Symptomen wie Brustschmerz, Atemnot, anhaltendem Erbrechen oder eingetrübtem Bewusstsein den Notruf 112 wählen.

Nachweis

THCP im Drogentest

THCP ist eng mit THC verwandt und wird im Körper zu ähnlichen Abbauprodukten verarbeitet. Gängige Schnelltests können daher anschlagen, und genauere Laborverfahren weisen THCP zuverlässig nach. Wie lange es nachweisbar bleibt, ist kaum untersucht – ähnlich wie bei THC dürften die Abbauprodukte je nach Menge einige Tage, bei regelmäßigem Konsum auch deutlich länger im Körper bleiben. Sich darauf zu verlassen, dass ein Test „nichts findet", ist also keine gute Idee.

Am Steuer ein klares Nein: THCP wirkt stark berauschend und beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit erheblich. Es gelten dieselben Vorsichtsregeln wie beim Thema CBD und Autofahren – nur in deutlich verschärfter Form, weil hier ein starker Rausch im Spiel ist.

Rechtslage

Ist THCP in Deutschland legal?

Nein. Seit dem 27.06.2024 fällt THCP unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) – der Bundesrat beschloss die Aufnahme am 14. Juni 2024, gemeinsam mit HHC und weiteren Cannabinoiden. Damit sind Herstellung, Handel, Einfuhr und Inverkehrbringen von THCP-Produkten strafbar.

Wie bei den anderen NpSG-Stoffen gilt: Der reine Besitz zum Eigenkonsum wird nicht bestraft, der Erwerb dagegen schon – und die Bestellung aus dem Ausland zählt als Einfuhr und ist riskant. Das gilt auch für Abwandlungen wie THCP-O. Welche Cannabinoide gerade legal oder verboten sind, ändert sich laufend – nicht berauschende Stoffe wie CBD liegen rechtlich klar anders als THCP.

Und wenn du aus Österreich oder der Schweiz liest: Verlass dich nicht darauf, dass es dort lockerer ist – im Gegenteil. In Österreich fällt THCP samt Abwandlungen unter das NPSG, Herstellung und Handel sind verboten, Besitz und Konsum bleiben straffrei. Die Schweiz hat THCP schon im Oktober 2023 ins Betäubungsmittelverzeichnis aufgenommen; auch dort sind Herstellung, Handel und Abgabe untersagt. In ganz DACH gibt es also keinen legalen Weg an THCP.

Dynamische Lage: Das NpSG wird regelmäßig erweitert. Einmal aufgenommen, bleibt ein Stoff in aller Regel verboten – Lockerungen sind nicht in Sicht.

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Häufige Fragen

FAQ zu THCP

Wie stark ist THCP?
THCP wirkt deutlich stärker als THC. Im Labor bindet es bis zu rund 30-mal fester an den CB1-Rezeptor. Das heißt nicht automatisch 30-mal stärkerer Rausch, aber schon kleine Mengen können kräftig und lange wirken.
Ist THCP in Deutschland legal?
Nein. THCP ist seit dem 27.06.2024 im NpSG erfasst. Herstellung, Handel und Einfuhr von THCP-Produkten sind strafbar. Besitz und Konsum zum Eigenbedarf werden nicht bestraft, der Erwerb aber schon.
Ist THCP gefährlich?
THCP ist sehr stark und kaum erforscht. Schon kleine Mengen können intensiv wirken; möglich sind Angst, Herzrasen oder Kreislaufprobleme. Dazu kommen unbekannte Nebenprodukte aus der Laborherstellung. Sicherheitsdaten fehlen weitgehend.
Was ist der Unterschied zwischen THCP und THC?
THCP hat eine längere Seitenkette (sieben statt fünf Kohlenstoffatome) und bindet dadurch stärker an die Rezeptoren im Gehirn. Es wirkt deutlich kräftiger als THC, kommt natürlich aber nur in winzigen Spuren vor.
THCP oder HHC – was ist stärker?
THCP gilt als deutlich stärker als HHC, das eher etwas milder als THC beschrieben wird. Beide sind in Deutschland seit 2024 verboten und stammen meist aus dem Labor.
Wie lange wirkt THCP?
Das hängt von der Form ab: beim Inhalieren grob ein bis zwei Stunden, bei Ölen etwa vier bis sechs Stunden, bei Edibles bis zu acht Stunden. Gerade bei Edibles setzt die Wirkung spät und lang ein.
Welche Erfahrungen machen Konsumenten mit THCP?
Die Berichte gehen weit auseinander: Manche beschreiben ein sehr intensives, körperbetontes High mit starker Entspannung, andere unangenehme Reaktionen wie Angst, Paranoia oder Herzrasen. Weil Dosierung und Qualität stark schwanken, ist die Erfahrung kaum vorhersehbar – ein häufiges Muster ist „zuerst nichts, dann zu viel".
Ist THCP im Drogentest nachweisbar?
Ja, das ist möglich. THCP ist eng mit THC verwandt, weshalb Schnelltests anschlagen können und Laborverfahren es zuverlässig nachweisen. Auf einen negativen Test sollte man sich nicht verlassen.

Fazit

Das Wichtigste auf einen Blick

THCP ist das stärkste bekannte Cannabinoid – ein THC-Verwandter, der dank längerer Seitenkette schon in kleinen Mengen kräftig berauscht. Die populäre „30× stärker"-Schlagzeile bezieht sich auf die Bindung im Labor, nicht auf einen 30-fachen Rausch. Sicher ist vor allem: Die Substanz ist potent, kaum erforscht und in Deutschland verboten.

Für die Praxis heißt das: THCP-Produkte stammen aus dem Labor, sind rechtlich tabu und in ihrer Wirkung schwer zu kontrollieren. Wer die legale, nicht berauschende Seite der Hanfpflanze sucht, ist mit CBD klar besser beraten.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Information und ersetzt keine Rechts- oder medizinische Beratung. Er stellt keine Aufforderung zum Erwerb oder Konsum verbotener Substanzen dar.

Quellen
  1. Citti C, Linciano P, Russo F et al. (2019). A novel phytocannabinoid isolated from Cannabis sativa L. with an in vivo cannabimimetic activity higher than Δ9-THC: Δ9-Tetrahydrocannabiphorol. Scientific Reports 9:20335. nature.com
  2. Bundesministerium für Gesundheit: Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG). bundesgesundheitsministerium.de
  3. Institut für Hanfanalytik: Faktencheck Tetrahydrocannabiphorol (THCP) – natürliches Vorkommen, Vollagonismus und Herstellungs-Nebenprodukte. hanfanalytik.at
  4. Fünfte Verordnung zur Änderung der Anlage des NpSG (Aufnahme von THCP, HHC, THCV und HHCP), in Kraft seit 27.06.2024.
Dominik Martzy

Dominik Martzy

Content-Autor bei CANNABY

Schreibt verständlich und praxisnah über CBD, Cannabinoide und Hanf – mit dem Anspruch, statt Hype echte Orientierung zu geben.