Ratgeber · Cannabinoide
CBDV (Cannabidivarin): Was es ist und wie es wirkt
CBDV taucht immer öfter neben CBD und CBG auf – als „das nächste spannende Cannabinoid". Tatsächlich ist Cannabidivarin ein naher Verwandter von CBD: nicht berauschend, hanfbasiert und vor allem in der Forschung interessant. Gleichzeitig kursieren dazu viele zu optimistische Versprechen. Dieser Überblick erklärt dir nüchtern, was CBDV ist, wie es wirkt und was die Wissenschaft wirklich weiß – ohne Hype.
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Das Wichtigste im Überblick
- CBDV ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus der Hanfpflanze, eng verwandt mit CBD – es macht nicht high.
- Anders als THC wirkt es kaum über die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren, sondern vor allem über sogenannte TRPV1-Kanäle.
- CBDV gilt als wissenschaftlich interessant, ist aber kaum erforscht: Die meisten Daten stammen aus Tier- und Zellversuchen, eine große Epilepsie-Studie am Menschen verfehlte ihr Ziel.
- In Deutschland ist CBDV nicht verboten und nicht berauschend. Es ist kein Medikament – ein zugelassenes CBDV-Arzneimittel gibt es nicht.
Grundlagen
Was ist CBDV?
CBDV steht für Cannabidivarin, ein natürlich vorkommendes Cannabinoid der Hanfpflanze. Chemisch ist es ein enger Verwandter von CBD – mit einem kleinen Unterschied: CBDV trägt eine etwas kürzere Seitenkette (drei statt fünf Kohlenstoff-Bausteine). Diese winzige Änderung reicht aber nicht aus, um einen Rausch auszulösen. CBDV macht also nicht high, genau wie CBD.
Neu ist CBDV nicht: Schon 1969 wurde es vom Forscher L. Vollner erstmals identifiziert. Ernsthaft beachtet wird es aber erst seit gut einem Jahrzehnt. Der Grund: In den meisten Hanfsorten kommt CBDV nur in sehr geringen Mengen vor. Höhere Gehalte finden sich vor allem in bestimmten Landrassen, weshalb es bisher schwer und teuer zu gewinnen war.
Vergleich
CBDV vs. CBD: der Unterschied
CBDV und CBD sind sich so ähnlich, dass man sie leicht verwechselt. Beide sind nicht berauschend und wirken auf ähnliche Schaltstellen im Körper. Wie CBD wirkt, ist dabei deutlich besser untersucht – der Unterschied zu CBDV liegt vor allem in der Verbreitung und im Forschungsstand.
| CBD | CBDV | |
|---|---|---|
| Rausch | nein | nein |
| Vorkommen | in fast allen Hanfprodukten | selten, nur in speziellen Sorten |
| Struktur | längere Seitenkette | kürzere Seitenkette |
| Erforscht? | vergleichsweise gut | erst am Anfang |
| Verfügbar? | breit, etabliert | kaum, vor allem Forschung |
Kurz: CBD ist der etablierte Allrounder, CBDV der seltene Verwandte, der die Wissenschaft neugierig macht. Wer heute ein hanfbasiertes Produkt sucht, greift praktisch immer zu CBD – schon weil CBDV kaum verfügbar ist.
Wirkweise
Wie CBDV im Körper wirkt
Hier wird es interessant. Anders als THC bindet CBDV kaum direkt an die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 unseres Endocannabinoid-Systems. Stattdessen wirkt es vor allem auf sogenannte TRPV1-Kanäle – dieselben Schaltstellen, die auch auf Schärfe und Temperatur reagieren und an der Erregbarkeit von Nervenzellen beteiligt sind.
Das Besondere: CBDV aktiviert diese Kanäle zunächst und macht sie dann unempfindlicher – nicht nur TRPV1, sondern auch zwei eng verwandte Kanäle (TRPV2 und TRPA1). Zusätzlich dämpft es einen weiteren Schalter namens GPR55. Genau dieses Beruhigen überaktiver Nervenzellen weckte das Interesse der Forschung, vor allem mit Blick auf neurologische Themen. Wichtig ist aber: Was im Reagenzglas und im Tiermodell passiert, lässt sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen.
Forschung ehrlich
Was die Forschung wirklich sagt
Über CBDV liest man oft, es sei „vielversprechend bei Epilepsie und Autismus". Das ist die halbe Wahrheit – und die ganze verdient eine ehrliche Einordnung.
Das größte Interesse galt tatsächlich der Epilepsie. Das Pharmaunternehmen GW Pharmaceuticals entwickelte einen CBDV-Wirkstoff (GWP42006) bis in klinische Studien. Der Punkt, den viele Texte unterschlagen: Die große Studie bei Erwachsenen mit fokaler Epilepsie verfehlte 2018 ihr Ziel – CBDV schnitt nicht besser ab als ein Scheinmedikament. Bemerkenswert war dabei, dass auch die Placebo-Gruppe ungewöhnlich stark ansprach, was ein klares Ergebnis verhinderte. „Verfehlt" heißt hier also nicht zwingend „wirkungslos", sondern „nicht belegt". Danach verlagerte sich die Forschung auf Autismus-Spektrum-Störungen und das Rett-Syndrom. Bei CBD und Epilepsie ist die Forschung dagegen weiter fortgeschritten – bis hin zu einem zugelassenen Medikament für bestimmte schwere Formen.
Der Großteil der bisherigen Ergebnisse stammt außerdem aus Tier- und Zellversuchen, nicht aus großen Studien am Menschen. CBDV gilt also als wissenschaftlich spannend – aber nicht als belegtes Heilmittel.
Sicherheit
Nebenwirkungen & Sicherheit
Zu CBDV beim Menschen gibt es kaum Daten. Was bekannt ist, ähnelt dem Bild von CBD: Als mögliche Begleiterscheinungen gelten Mundtrockenheit und ein leicht gesenkter Blutdruck. Schwere Nebenwirkungen sind bislang nicht beschrieben – allerdings vor allem, weil belastbare Untersuchungen am Menschen fehlen.
Dünne Datenlage
Langzeiteffekte sind nicht erforscht. „Keine bekannten Nebenwirkungen" heißt hier vor allem: zu wenig untersucht.
Signal aus dem Labor
Eine Zellstudie von 2019 fand Hinweise, dass CBD und CBDV in Zellkulturen das Erbgut schädigen können – ein Grund, Ergebnisse vorsichtig zu lesen.
Unterm Strich gilt: CBDV wirkt nach bisherigem Stand mild, ist aber kein „garantiert harmloses" Naturprodukt. Solange große Studien am Menschen fehlen, bleibt Zurückhaltung angebracht – besonders bei gesundheitlichen Fragen ist ärztlicher Rat der richtige Weg.
Rechtslage
Ist CBDV in Deutschland legal?
Ja. CBDV ist nicht berauschend und fällt weder unter das Betäubungsmittelgesetz noch unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz – anders als die HHC-Familie. Damit ist es rechtlich in einer ähnlichen Lage wie CBD.
Wie bei CBD gilt aber die Novel-Food-Einordnung: Als Lebensmittel ist Cannabidivarin in der EU nicht zugelassen. Produkte werden deshalb, falls überhaupt erhältlich, als Aromaöl oder Kosmetik verkauft, nicht als Nahrungsergänzungsmittel. In der Praxis spielt CBDV im Handel ohnehin kaum eine Rolle – es ist vor allem ein Thema der Forschung.
Das erforschte, verfügbare Cannabinoid: CBD
CBDV ist spannend, aber kaum greifbar. Wer ein hanfbasiertes, nicht berauschendes und gut untersuchtes Cannabinoid sucht, ist mit CBD am besten aufgehoben – bei uns aus Schweizer Bio-Hanf und mit Analysezertifikat zu jedem Öl.
Unsere CBD Öle entdeckenHäufige Fragen
FAQ zu CBDV
Macht CBDV high?
Was ist der Unterschied zwischen CBDV und CBD?
Wie wirkt CBDV?
Hilft CBDV bei Epilepsie?
Ist CBDV legal?
Hat CBDV Nebenwirkungen?
Wo kann man CBDV kaufen?
Fazit
Das Wichtigste auf einen Blick
CBDV ist ein naher Verwandter von CBD: nicht berauschend, hanfbasiert und legal, aber selten und kaum erforscht. Sein Wirkmechanismus über die TRPV1-Kanäle macht es für die Wissenschaft interessant – belegt ist daraus aber bisher kein gesundheitlicher Nutzen, und die größte Epilepsie-Studie verfehlte ihr Ziel.
Für die Praxis heißt das: CBDV ist heute vor allem ein Forschungsthema, kein fertiges Produkt und schon gar kein Medikament. Wer ein erprobtes, verfügbares Cannabinoid sucht, ist mit CBD am besten beraten.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. CBDV- und CBD-Produkte sind keine Arzneimittel und nicht zur Behandlung von Krankheiten bestimmt. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
Studien und Quellen
- Iannotti FA et al. (2014). Nonpsychotropic plant cannabinoids, cannabidivarin (CBDV) and cannabidiol (CBD), activate and desensitize TRPV1 channels in vitro. ACS Chemical Neuroscience 5(11):1131–1141.
- Hill AJ et al. (2012). Cannabidivarin is anticonvulsant in mouse and rat. British Journal of Pharmacology 167(8):1629–1642.
- Russo C et al. (2019). Low doses of widely consumed cannabinoids (cannabidiol and cannabidivarin) cause DNA damage and chromosomal aberrations in human-derived cells. Archives of Toxicology 93(1):179–188.
- Cannabidivarin – Übersicht. Altmeyers Enzyklopädie, Fachbereich Innere Medizin. altmeyers.org

