Ratgeber · Cannabinoide
CBDV (Cannabidivarin): Was es ist und wie es wirkt
CBDV wird gern als „das nächste große Cannabinoid" gehandelt, direkt neben CBD und CBG. Begegnet es dir in einem Shop oder Forum, steckt dahinter ein naher Verwandter von CBD: nicht berauschend, hanfbasiert und für die Forschung durchaus spannend. Nur werden die Erwartungen oft größer gemacht, als die Datenlage sie trägt. Zwischen Laborsignal und belegter Wirkung liegt bei CBDV noch eine ordentliche Strecke, und die solltest du kennen, bevor du Geld dafür ausgibst.
Das Wichtigste im Überblick
- CBDV (Cannabidivarin) ist ein nicht berauschendes Cannabinoid aus der Hanfpflanze, eng verwandt mit CBD – es macht nicht high.
- Es wirkt kaum über die klassischen Rezeptoren CB1 und CB2, sondern vor allem über sogenannte TRPV1-Kanäle, bisher gezeigt in Tier- und Zellmodellen.
- CBDV ist kaum erforscht: Die größte Epilepsie-Studie am Menschen verfehlte ihr Ziel, ein zugelassenes CBDV-Medikament gibt es nicht.
- In Deutschland ist CBDV nicht verboten, als fertiges Produkt aber kaum verfügbar.
Dr. med. Wolfgang Furtlehner
Arzt | Doktor der gesamten Heilkunde
Fachlich korrekt, evidenzbasiert und aktuell.
Mehr über Dr. FurtlehnerWas ist CBDV?
CBDV steht für Cannabidivarin, ein natürlich vorkommendes Cannabinoid der Hanfpflanze und ein enger chemischer Verwandter von CBD. Der Unterschied steckt in einem kleinen Detail: CBDV trägt eine etwas kürzere Seitenkette, drei Kohlenstoff-Bausteine statt fünf. Für einen Rausch reicht das nicht, CBDV macht dich also nicht high, genauso wenig wie CBD.
Neu ist der Stoff nicht. Schon 1969 beschrieben Vollner und Kollegen CBDV zum ersten Mal. Dass du trotzdem kaum davon gehört hast, hat einen praktischen Grund: In den meisten Hanfsorten steckt nur sehr wenig CBDV. Höhere Gehalte finden sich vor allem in bestimmten Landrassen, weshalb der Stoff schwer und teuer zu gewinnen ist und dir im Laden bisher selten begegnet.
CBDV vs. CBD: der Unterschied
CBDV und CBD sind sich so ähnlich, dass man sie leicht verwechselt: beide nicht berauschend, beide wirken auf ähnliche Schaltstellen im Körper. Was CBD ausmacht, ist dabei deutlich besser untersucht. Der eigentliche Unterschied liegt für dich weniger in der Wirkung als in Verbreitung und Forschungsstand.
| CBD | CBDV | |
|---|---|---|
| Rausch | nein | nein |
| Vorkommen | in fast allen Hanfprodukten | selten, nur in speziellen Sorten |
| Struktur | längere Seitenkette (5 C) | kürzere Seitenkette (3 C) |
| Erforscht | vergleichsweise gut | erst am Anfang |
| Verfügbar | breit, etabliert | kaum, vor allem Forschung |
Kurz: CBD ist der etablierte Allrounder, CBDV der seltene Verwandte, der die Wissenschaft neugierig macht. Suchst du heute ein hanfbasiertes Produkt, greifst du praktisch immer zu CBD, schon weil CBDV kaum erhältlich ist.
Wie wirkt CBDV im Körper?
Hier wird es interessant. Anders als THC bindet CBDV kaum direkt an die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 in deinem Endocannabinoid-System. Stattdessen wirkt es vor allem auf sogenannte TRPV1-Kanäle, dieselben Schaltstellen, die auch auf Schärfe und Temperatur reagieren und an der Erregbarkeit deiner Nervenzellen beteiligt sind.
Das Besondere zeigten Iannotti und Kollegen 2014 im Labor: CBDV aktiviert diese Kanäle zunächst und macht sie danach unempfindlicher, nicht nur TRPV1, sondern auch die verwandten Kanäle TRPV2 und TRPA1. Genau dieses Beruhigen überaktiver Nervenzellen weckte das Interesse der Forschung. Für dich heißt das aber noch nichts Konkretes: Diese Ergebnisse stammen aus Zellkulturen und Tiermodellen und lassen sich nicht eins zu eins auf dich übertragen.
Hilft CBDV bei Epilepsie und Autismus?
Nicht belegt. CBDV wurde für beides erforscht, ein gesicherter Nutzen beim Menschen steht aber bis heute aus. Liest du, CBDV sei „vielversprechend bei Epilepsie und Autismus", ist das die halbe Wahrheit, und die ganze verdient eine ehrliche Einordnung.
Das größte Interesse galt der Epilepsie. Das Pharmaunternehmen GW Pharmaceuticals entwickelte einen CBDV-Wirkstoff (GWP42006) bis in klinische Studien. Der Punkt, den viele Texte unterschlagen: Die große Studie bei 162 Erwachsenen mit fokaler Epilepsie verfehlte ihren primären Endpunkt, die Ergebnisse wurden 2018 gemeldet und 2021 veröffentlicht. CBDV senkte die Anfälle um 40,5%, das Scheinmedikament aber fast genauso stark um 37,7%, ein Unterschied ließ sich nicht zeigen. Auffällig war die ungewöhnlich hohe Placebo-Antwort. „Verfehlt" heißt hier nicht zwingend „wirkungslos", sondern „nicht belegt". Für dich bedeutet das: Verlass dich bei Epilepsie nicht auf CBDV, sondern auf die ärztliche Behandlung.
Danach verlagerte sich die Forschung auf Autismus-Spektrum-Störungen und das Rett-Syndrom. Die bisherigen Signale stammen überwiegend aus Tiermodellen, und selbst dort war der Effekt in einer Untersuchung nur vorübergehend. Zum Vergleich: Bei CBD und Epilepsie ist die Forschung deutlich weiter, bis hin zu einem zugelassenen Medikament für bestimmte schwere Formen. Genau daraus entsteht eine Verwechslung, vor der du dich hüten solltest.
Nicht verwechseln
Es gibt bislang kein zugelassenes Medikament auf CBDV-Basis. Das bekannte Cannabis-Arzneimittel gegen bestimmte schwere Epilepsieformen, Epidiolex, basiert auf CBD, nicht auf CBDV.
Nebenwirkungen & Sicherheit
Zu CBDV beim Menschen gibt es kaum Daten. Was bekannt ist, ähnelt dem Bild von CBD: Als mögliche Begleiterscheinungen gelten Mundtrockenheit und ein leicht gesenkter Blutdruck. In der Epilepsie-Studie war CBDV überwiegend gut verträglich, Nebenwirkungen traten aber häufiger auf als unter Placebo. Schwere Zwischenfälle sind bisher nicht beschrieben, vor allem deshalb, weil belastbare Untersuchungen am Menschen fehlen.
Ein Laborsignal gehört ehrlicherweise dazu. Eine Zellstudie von Russo und Kollegen (2019) fand, dass CBD und CBDV schon in niedriger Konzentration das Erbgut menschlicher Zellen schädigen können. Solche Befunde aus der Zellkultur sagen aber wenig über deinen Körper: Eine neuere Untersuchung von 2025 fand für CBD keine entsprechenden Schäden und wies auf methodische Schwächen der älteren Arbeit hin. Beweisen lässt sich daraus nichts, für dich ist es eher ein Grund, Werbeversprechen vorsichtig zu lesen.
Dünne Datenlage
Langzeiteffekte sind nicht erforscht. „Keine bekannten Nebenwirkungen" heißt hier vor allem: zu wenig untersucht.
Signal aus dem Labor
Der Hinweis auf mögliche Erbgut-Schäden stammt aus Zellversuchen und ist in neueren Arbeiten umstritten.
Unterm Strich wirkt CBDV nach bisherigem Stand mild, ist aber kein „garantiert harmloses" Naturprodukt. Solange große Studien am Menschen fehlen, fährst du zurückhaltend am besten, und bei gesundheitlichen Fragen ist ärztlicher Rat der richtige Weg.
Ist CBDV legal?
Ja. CBDV ist nicht berauschend und fällt weder unter das Betäubungsmittelgesetz noch unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz, anders als die HHC-Familie. Rechtlich stehst du damit ähnlich sicher da wie bei CBD.
Wie bei CBD gilt aber die Novel-Food-Einordnung: Als Lebensmittel ist Cannabidivarin in der EU nicht zugelassen. Erhältliche Produkte werden deshalb, falls es sie überhaupt gibt, als Aromaöl oder Kosmetik verkauft, nicht als Nahrungsergänzung. Im Handel wirst du CBDV ohnehin kaum finden. Willst du statt eines reinen Forschungsstoffs ein verfügbares, gut untersuchtes Cannabinoid, bist du mit unseren CBD Ölen besser bedient.
Das erforschte, verfügbare Cannabinoid: CBD
CBDV ist spannend, aber kaum greifbar. Wer ein hanfbasiertes, nicht berauschendes und gut untersuchtes Cannabinoid sucht, ist mit CBD am besten aufgehoben, bei uns aus Schweizer Bio-Hanf und mit Analysezertifikat zu jedem Öl.
Unsere CBD Öle entdeckenHäufige Fragen zu CBDV
Macht CBDV high?
Was ist der Unterschied zwischen CBDV und CBD?
Wie wirkt CBDV?
Hilft CBDV bei Epilepsie?
Ist CBDV legal?
Hat CBDV Nebenwirkungen?
Wo kann man CBDV kaufen?
Unser Fazit
Das Wichtigste auf einen Blick
CBDV ist ein naher Verwandter von CBD: nicht berauschend, hanfbasiert und legal, aber selten und kaum erforscht. Sein Wirkweg über die TRPV1-Kanäle macht es für die Wissenschaft interessant. Ein gesundheitlicher Nutzen ist daraus bisher nicht belegt, und die größte Epilepsie-Studie verfehlte ihr Ziel.
Für dich heißt das: CBDV ist heute vor allem ein Forschungsthema, kein fertiges Produkt und schon gar kein Medikament. Suchst du ein erprobtes, verfügbares Cannabinoid, bist du mit CBD am besten beraten.
Medizinischer Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der sachlichen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. CBDV- und CBD-Produkte sind keine Arzneimittel und nicht zur Behandlung von Krankheiten bestimmt. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.
Medizinischer HaftungsausschlussStudien und Quellen
- Vollner L, Bieniek D, Korte F. (1969). Cannabidivarin, ein neuer Haschisch-Inhaltsstoff. Tetrahedron Letters, 10(3), 145–147. doi.org/10.1016/S0040-4039(01)87494-3
- Hill AJ, Mercier MS, Hill TD, et al. (2012). Cannabidivarin is anticonvulsant in mouse and rat. British Journal of Pharmacology, 167(8), 1629–1642. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22970845
- Iannotti FA, Hill CL, Leo A, et al. (2014). Nonpsychotropic plant cannabinoids, cannabidivarin (CBDV) and cannabidiol (CBD), activate and desensitize TRPV1 channels in vitro. ACS Chemical Neuroscience, 5(11), 1131–1141. doi.org/10.1021/cn5000524
- Brodie MJ, Czapinski P, Pazdera L, et al. (2021). A Phase 2 Randomized Controlled Trial of the Efficacy and Safety of Cannabidivarin as Add-on Therapy in Participants with Inadequately Controlled Focal Seizures. Cannabis and Cannabinoid Research, 6(6), 528–536. doi.org/10.1089/can.2020.0075
- Russo C, Ferk F, Mišík M, et al. (2019). Low doses of widely consumed cannabinoids (cannabidiol and cannabidivarin) cause DNA damage and chromosomal aberrations in human-derived cells. Archives of Toxicology, 93(1), 179–188. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30341733

